PREACHER (Staffel 1)

Was bisher geschah…

Oh Herr, vergib uns. Wir haben gesündigt.

Comic-Adaptionen, egal ob als Spielfilme oder als Serien, erfreuen sich schon seit einigen Jahren an großer Beliebtheit. Meist dreht es sich um Superhelden, aber ab und an auch um Untote oder Dämonen. Es scheint somit am fantastischen Element zu liegen, welches die ZuschauerInnen in die Kinos oder vor die heimischen Bildschirme lockt. Aber Comic-Adaptionen haben einen großen Vorteil, was die potentiellen Zuschauerzahlen betrifft – Sie bringen unmengen an Fans mit.

PREACHER, die Serie von AMC, konnte davon jedoch nicht unbedingt profitieren. Zwar waren die Zuschauerzahlen, während der ersten Staffel, nicht total im Keller, allerdings lagen diese im eher überschaubaren Bereich. Es könnte nun darüber gemutmaßt werden, was die Ursachen dafür gewesen sein könnten. Eins steht jedoch fest – an der Qualität der Serie, liegt es mit Sicherheit nicht.

Ein geheimnisvolles Wesen treibt in der Welt sein Unwesen. Während es in den ein oder anderen Priester schlüpft und ihn zum Platzen bringt, findet es wohl im titelgebenden Preacher und geläuterten Schwerkriminellen Jesse Custer (Dominic Cooper), sein passendes Zuhause. Dieser tritt, in einer heruntergekommenen Kirche des kleinen Örtchens Annville, seine neue Stelle als Prediger an und versucht dort, nun mit einer seltsamen Macht ausgestattet, Gutes für die Menschen zu tun. Begleitet wird er dabei von seiner alten Liebe und, kriminellen Partnerin aus vergangenen Tagen, Tulip O‘Hare (Ruth Negga) und dem saufenden, drogenabhängigen und rüpelhaft-charmanten Vampir Cassidy (Joseph Gilgun). Dabei scheint ihn immer wieder seine Vergangenheit einzuholen und auch die neu erhaltene Macht ist nicht immer ganz so leicht zu kontrollieren, wie der Prediger sich das wünscht.

Gleich von Beginn an macht PREACHER klar, wie der Hase läuft. Neben vielen, auch teilweise sehr tiefgründigen Dialogen (wie man es vom Seriennamen erwarten könnte), kommt es in den insgesamt 10, á etwa 45 minütigen Folgen, auch immer wieder zu Gewaltexzessen. Die verrückten Nebenfiguren tun ihr Übriges. Obwohl in Annville wirklich jede Figur so ihre Eigenarten und Macken hat, stechen vor allem Emily Woodrow (Lucy Griffiths) als Kirchenhelferin, die mit dem Bürgermeister ein Verhältnis hat, Eugene Root (Ian Colletti) als Sohn eines Sheriffs, der einen Selbstmord überlebt hat, Odin Quincannon (Jackie Earle Haley) als blutrünstiger Schlachthofbesitzer und die beiden Engel im Doppelgespann Fiore (Tom Brooke) und DeBlanc (Anatol Yusef), die das entflohene Wesen wiederbeschaffen wollen, hervor. So richtig Fahrt nimmt die Serie aber immer dann auf, wenn Ruth Negga und Joseph Gilgun, als Tulip und Cassidy, auf der Bildfläche erscheinen. Diese beiden spielen ihre Figuren mit solch einer Hingabe, dass es ein wahrlich himmlisches Vergnügen ist, diesen beiden dabei zuzusehen. Ohne sie und ihre Figuren, wäre die Geschichte, rund um den, doch teilweise etwas trübseligen und schwerfälligen Prediger, nicht halb so interessant und spannend.

Über etwaige Logiklöcher, zum Beispiel wieso ein Schwerkrimineller ohne Weiteres das Amt des Predigers bekleiden kann oder warum die Protagonisten teilweise ganz leicht mit ihren Verbrechen (bis hin zum Mord) davonkommen, muss gar nicht diskutiert werden. Die Serie schert sich einen Dreck um jeglichen Realismus. Die Figuren sind keine echten Charaktere, sondern scheinen regelrecht einem Comicheft entsprungen. Vampire, Engel, Himmel und Hölle – all das deutet darauf hin, dass PREACHER keine superrealistische Serie sein wird und sein will. Die Konflikte sind absurd bis aberwitzig und bekommen auch eine ebensolche Lösung geboten.

Viel mehr stellt die Serie eine Metapher, aus dem ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, dar. Dieser wird aber, Gott sei dank, nicht im typischen Schwarz-Weiß-Schema dargestellt, sondern bekommt genügend Grautöne zur Abstufung, so dass es auch dem/der ZuschauerIn zunehmend schwerer fallen dürfte, zu beurteilen, was überhaupt noch Gut und was Böse ist – Und das ist erfrischend.

Erfrischend ist auch die Erzählstruktur der Serie. Während ein Strang dem/der ZuschauerIn nur als Appettithappen zum Fraß vorgeworfen wird und diese/r sich noch denkt: „Was zur Hölle?“, so kommen zu dem Happen möglicherweise erst einige Folgen später die restlichen Zutaten hinzu und das Abendmahl wird so vollendet. Diese Art Geschichten zu erzählen ist zwar nicht unbedingt neu, wurde so konsequent aber nur selten umgesetzt, wodurch sich die erste Staffel von vielen anderen Serien abhebt. Zwar hätte das Tempo insgesamt noch etwas angezogen werden können, da sich innerhalb der Staffel doch die ein oder andere Länge einschleicht, aber im Großen und Ganzen macht es Spaß, den herrlich überdrehten Figuren bei ihren Wahnsinnstaten zuzusehen und auch das Ende macht definitiv Lust auf mehr.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass PREACHER sich seiner Stärken in der zweiten Staffel bewusst wird, seine Schwächen hinter sich lässt und noch nicht allzu früh zu Gott finden muss – wobei die weiter sinkenden Quoten der ersten ausgestrahlten Folgen etwas anderes befürchten lassen.

Lasset uns beten.

 

Punkte: 11 von 15

Start: Bereits erhältlich

Land & Jahr: USA, 2016

Regie: Seth Rogen & Evan Goldberg, Scott Witnant u.a.

Darsteller: Dominic Cooper, Ruth Negga, Joseph Gilgun, Lucy Griffiths, Jackie Earle Haley u.a.

Vertrieb: Sony Pictures Television

FSK: 16

Geschnitten: Nein

Bild: https://www.rottentomatoes.com/tv/preacher/s01


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