SNOWPIERCER

Heimkino

Alles einsteigen bitte!

Die Erde ist überzogen von einer dicken Schnee- und Eisschicht. Der Mensch hat es scheinbar geschafft und sich und seinen Planeten zu Grunde gerichtet. Scheinbar alles Leben scheint ausgelöscht. Wirklich alles Leben? Nein. Eine kleine Zahl von Menschen fand auf einer Art Arche Zuflucht. Kein Schiff, wie das Noahs, sondern ein Zug. Eine unendliche Maschine, die unaufhörlich durch die Eislandschaft rattert und in der alles, in jedem einzelnen Wagon, vom ‚Kopf‘ bis zum ‚Fuß‘ des Zuges, geordnet und an seinem ihm zugeschriebenen Platz ist.

Am ‚Fuß‘, also am Ende des Zuges, sind die Zustände mehr als schlecht. Die Menschen leben auf engstem Raum, haben kein fließendes Wasser, um sich zu waschen und das Essen, sogenannte ‚Vitaminblöcke‘, ist ein undefinierbarer schwarzer Klumpen. Sie leben im Dreck und werden wie Dreck behandelt. Doch die Weichen für eine Revolte sind gestellt. Angeführt von Curtis (Chris Evans), beginnen die Menschen aufzubegehren und planen einen Gegenschlag. Das Ziel – Die Zugspitze zu erreichen und den Zugführer und Erbauer der Maschine, Wilford, zu töten und selbst die Kontrolle zu übernehmen. Doch Curtis zweifelt. Ist er wirklich der Richtige, um diese Revolution anzuführen? Und haben sie wirklich eine reelle Chance auf Gerechtigkeit?

Der Film startet seine Reise, indem er den Alltag der Menschen im hinteren Teil des Zuges darstellt. Dabei sind die ersten 20 Minuten von SNOWPIERCER sehr intensiv inszeniert. Der/Die ZuschauerIn bekommt das Leid und die Gewalt zu sehen, ja förmlich zu spüren, um selbst eine Wut gegen die Ungerechtigkeiten aufzubauen, die es für eine Revolution braucht. Man fiebert dem ‚Sturm auf die Bastille‘ förmlich entgegen und der erste Angriff wirkt dabei wie ein Ventil, aus dem der angestaute Druck entweichen kann. Das heißt jedoch nicht, dass der Film nach der Einführung nachlässt, ganz im Gegenteil. Auch im weiteren Verlauf wird immer wieder Druck aufgebaut und die Anspannung hält sich bis zum Schluss. Die dabei gezielt eingesetzten Gewalt- und Actionszenen tun ihr Übriges.

SNOWPIERCER ist allerdings kein gewöhnlicher Actionfilm. Er ist nicht mal wirklich ein Actionfilm. Der Regisseur Bong Joon Ho schafft es, aus der französischen Graphic Novel LE TRANSPERCENEIGE von Jacques Lob und Jean-Marc Rochette, einen spannenden und intelligenten Film zugleich zu machen. Die Geschichte ist dabei eine Metapher und die Welt des Zuges ein Mikrokosmos unserer Welt. Ein Spiegeldbild. Freilich ist dieses Spiegelbild etwas verzerrt, aber immer noch deutlich zu erkennen. Somit könnte SNOWPIERCER auch als Satire, als Gesellschaftssatire, betrachtet werden.

Zu diesem Eindruck der Satire tragen unter anderem die Figuren bei, welche mitunter sehr überzeichnet und skurril sind. Sie wirken nicht etwa wie reale Personen, sondern viel mehr wie Karrikaturen von realen Personen. Auch ihre persönlichen Schicksale sind teils überspitzt dargestellt. Zudem ist der Film, neben actionreichen oder dramatischen Momenten, auch immer wieder von seltsam komischen Momenten durchzogen, welche den satirischen Charakter weiter unterstreichen. Und umso weiter die Handlung voranschreitet und sich die Unterdrückten ihren Weg nach vorne bahnen, umso abgefahrener werden die Settings der einzelnen Wagons.

Insgesamt beweist Bong Joon Ho sehr viel handwerkliches Geschick. Die Innenräume des Zuges wirken sehr realistisch und auch die Kampfszenen sind, abgesehen von ab und an nerviger Wackelkamera, durchaus gelungen. Dem gegenüber stehen aber leider die teils grottig animierten Außenaufnahmen, die wirken, als würden sie aus einem schlechten Computerspiel stammen. Das ist durchaus schade, da die Außenszenen noch mal etwas mehr eine beklemmende Atmosphäre hätten hervorrufen können. Und auch einige sehr dramatisch geratene Szenen wirken eher etwas befremdlich. Dem gegenüber steht wiederum die schauspielerische Leistung. Alle Beteiligten fügen sich wirklich sehr gut in ihre Rollen ein und können den ein oder anderen, eben genannten kleinen Makel gut überspielen und den/die ZuschauerIn zurück ins Geschehen reißen.

Alles in allem ist SNOWPIERCER wirklich gelungen, der nur aufgrund der ein oder anderen kleinen Schwäche knapp an einem ‚Sehr Gut‘ vorbeischrammt. Er ist spannend und intelligent zugleich, hat eine dichte Atmosphäre, ist nichts für schwache Nerven und definitiv einen Blick wert.

Rails to Revolution

 

Punkte: 12 von 15

OT: SNOWPIERCER

Start: Bereits erhältlich

Land & Jahr: KOR, USA, FRA, CZ, 2013

Regie: Bong Joon Ho

Darsteller: Chris Evans, Jamie Bell, John Hurt, Tilda Swinton, Song Kangho u.a.

Vertrieb: Ascot Elite

FSK: 16

Geschnitten: Nein

Bildquelle: http://www.imdb.com/title/tt1706620/mediaviewer/rm3917597696


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