CAPTAIN FANTASTIC – EINMAL WILDNIS UND ZURÜCK

Heimkino

„Power to the People. Zeig’s denen da oben.“

Wie mag es wohl sein, ein selbstbestimmtes Leben zu führen? Wie mag es wohl sein, der Bürokratie zu entsagen und sich nicht von Formularen die eigenen Möglichkeiten vorschreiben zu lassen? Wie mag es wohl sein, einfach rauszugehen, sich von den Zwängen des Alltags zu befreien und dem System den Rücken zu kehren? Ein Großteil der Menschen in unserer westlichen Zivilisation dürfte daran bestimmt schon einmal gedacht oder zumindest im Scherz davon gesprochen haben. Doch sind es Ungewissheit und Unsicherheit, die uns davon abhalten, solche Gedankenspiele in die Tat umzusetzen und so bleibt die Idee von Freiheit letztendlich nur ein ‚Was wäre wenn?‘.

Was wäre wenn?‘ scheint auch der Gedanke hinter CAPTAIN FANTASTIC gewesen zu sein. Einem Film, indem Ben (Viggo Mortensen) und seine Frau Leslie (Trin Miller), gemeinsam mit ihren sechs Kindern ihren Traum leben und aus eben diesem ‚Was wäre wenn?‘ ein ‚Wir haben es geschafft!‘ gemacht haben. Und so leben sie in der Wildnis, fernab vom verschwenderischen Kommerz und im Einklang mit der Natur. Alles könnte so schön sein. Doch Bens Frau ist psychisch instabil und muss in einem Krankenhaus behandelt werden. Somit muss sich Ben vorerst allein um die Kinder kümmern und genau damit steigt der Film ein. Es wird der Alltag des Vaters und der Kinder gezeigt und zwar mit all seinen Facetten, mit den schönen und mit den schlechten Seiten. Als Bens Frau schließlich stirbt, machen er und seine Kinder sich auf zu ihrer Beerdigung, um ihren letzten Willen durchzusetzen und stoßen dabei tief ins Herz des Kapitalismus vor und werden mit der ‚realen Welt‘ konfrontiert.

Mit CAPTAIN FANTASTIC ist Matt Ross ein äußerst feinfühliger Film gelungen, der nahezu perfekt die Balance zwischen Humor und Tragik, zwischen Gesellschaftskritik und Storytelling hält. Hinzu kommen wundervoll gespielte, liebenswerte Charaktere, die man als ZuschauerIn sofort ins Herz schließt. Lediglich zu Beginn werden einige Szenen gezeigt, die als zu ‚krass‘ und somit unwirklich erscheinen. Diese fallen im weiteren Verlauf aber nicht weiter ins Gewicht.

Positiv ist auch, dass in CAPTAIN FANTASTIC keine Partei für eine der vorgestellten Lebensweisen ergriffen wird. Natürlich bekommen unsere Konsumwelt, das amerikanische Bildungssystem und die Pharmaindustrie ordentlich ihr Fett weg, aber kritische Punkte werden durchaus auf beiden Seiten geäußert. So ist das Leben in der Wildnis nicht immer schön, sondern vor allem eins – gefährlich. So bleibt die Botschaft am Ende, dass jede/r auf ihre/seine Weise glücklich werden und selbstbestimmt leben sollte.

Insgesamt ist CAPTAIN FANTASTIC ein intelligentes Feel-Good-Movie, bei dem einem warm ums Herz wird und dessen Figuren man am Ende des Films am liebsten noch weiter begleiten würde. Doch zum Glück besteht ja die technische Möglichkeit, den Film auch noch ein weiteres Mal zu schauen.

Oh Captain! My Captain! It’s Fantastic!

 

Punkte: 14 von 15

OT: CAPTAIN FANTASTIC

Start: Bereits erhältlich

Land & Jahr: USA, 2013

Regie: Matt Ross

Darsteller: Viggo Mortensen, George MacKay, Samantha Isler, Annalise Basso, Nicholas Hamilton, Shree Crooks, Charlie Shotwell, Kathryn Hahn, Steve Zahn u.a.

Vertrieb: Universum Film

Laufzeit: ca. 115 min

FSK: 12

Geschnitten: Nein

Bildquelle: http://www.imdb.com/title/tt1706620/mediaviewer/rm3917597696


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