BONE TOMAHAWK

Heimkino

Das Tal der hungrigen Männer. Die Hölle auf Erden.

Irgendwo im Wilden Westen ermorden die beiden Verbrecher Buddy (Sid Haig) und Purvis (David Arquette) eine Gruppe von Reisenden, um sie um ihre Habseligkeiten zu bringen. Als dabei ein Schuss fällt, dieser nicht unbemerkt bleibt und sich ihnen das Geräusch galoppierender Pferde nähert, suchen die beiden hinter den Felsen Zuflucht. Doch überall befinden sich Tierschädel an den Felswänden. Eindeutige Hinweise, dass sie dieses Gebiet lieber nicht betreten sollten – und dennoch ignorieren. Und ehe sie sich versehen können, stehen sie auf einem Indianerfriedhof, wo einer der Verbrecher, Buddy, sein jähes Ende durch einen Indianer findet. Einzig Purvis schafft es, lebend davon zu kommen.

Nach Tagen des Umherstreifens, erreicht Purvis einen kleinen Ort. Dort angekommen, begräbt er sein Diebesgut und besucht daraufhin den nächsten Saloon. Dies bleibt von Deputy Chicory (Richard Jenkins) nicht unbemerkt, der seine Beobachtungen sogleich dem Sheriff (Kurt Russel) meldet. Dieser möchte nun den Fremden erst einmal unter die Lupe nehmen, doch als dieser sich bei der Befragung merkwürdig verhält und versucht zu fliehen, schießt ihm der Sheriff ins Bein, woraufhin Purvis in eine Zelle verfrachtet wird und von Samantha O‘Dwyer (Lili Simmons) verarztet werden soll. Der zweite Deputy, Deputy Nick (Evan Jonigkeit), soll über Nacht Wache halten.

Allerdings gab es in jener Nacht einen Angriff von Indianern. Dabei wurde ein Stallbursche getötet und zudem Samantha O‘Dwyer, Purvis und Deputy Nick entführt. Somit sehen sich der Sheriff, Deputy Chicory und Arthur O‘Dwyer (Patrick Wilson), der Ehemann von Samantha O‘Dwyer, gezwungen, die Spur aufzunehmen und sich zu den Indianern, ins ‚Tal der hungrigen Männer‘, zu begeben. Begleitet werden sie von einem vierten Mann, dem Indianerjäger John Brooder (Matthew Fox).

Wenn man sich nun die Grundgeschichte von BONE TOMAHAWK vor Augen führt, könnte durchaus die Frage aufkommen, warum diese eben so detailliert beschrieben wurde? Letztendlich ist es doch nicht viel mehr, als eine herkömmliche Geschichte über eine Gruppe von Männern, die fest entschlossen ist, die Entführten wieder zu befreien. Doch so viele Zeilen, wie soeben für die Zusammenfassung des Grundszenarios freigeräumt wurden, so viel Zeit gewährt der Film seinen Figuren, um sich zu entfalten. Denn das, was soeben geschildert wurde, wird nicht in den ersten zehn Minuten abgehandelt, sondern bis zum Start der Rettungsaktion sehr ausführlich dargestellt. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Film eine, sowohl für Western als auch für Horrorfilme, eher ungewöhnlich lange Laufzeit von knapp 132 Minuten aufweist. Auch mögen sich einige vielleicht fragen, warum der Film sich für eine so simple Geschichte so viel Zeit nimmt? Nun, in diesem Fall ist es nicht entscheidend, was der Film erzählt, sondern wie er es erzählt. Und der Regisseur und Drehbuchautor S. Craig Zahler weiß dabei sehr wirkungsvoll vorzugehen.

BONE TOMAHAWK ist ein äußerst intensiver Horrorfilm im Westerngewand. Dabei ist der Film ein klassischer ‚Slow Burner‘ mit ruhigen Bildern, dichter Atmosphäre und einer Spannung, die sich bis zum sehr harten Ende immer weiter aufbaut – insofern man sich als ZuschauerIn auf die ruhige Erzählweise und auf die lange Laufzeit einlassen kann. Doch wenn man das kann, dann hat der Streifen einiges zu bieten.

Zum einen sind es die SchauspielerInnen, die dem Film eine gewisse Klasse verleihen. Alle Beteiligten machen ihre Sache wirklich großartig. Höhepunkt des Ensembles ist allerdings Richard Jenkins als Chicory, dem es gelingt, als gutgläubiger, liebenswerter alter Mann, immer mal wieder für Lichtblicke und aufheiternde Momente inmitten der ganzen Anspannung zu sorgen. Und solche Momente braucht es in BONE TOMAHAWK definitiv.

So trägt zum einen die Darstellung von Gewalt dazu bei, dass der Film äußerst realisitisch wirkt. Immer gut platziert und nicht zu viel, wird einzig gegen Ende noch mal eine ganze Schippe drauf gelegt, wodurch der Film Gefahr laufen könnte, nur dadurch in der Erinnerung einiger ZuschauerInnen zu bleiben. Das wäre durchaus schade, da BONE TOMAHAWK nämlich sehr viel mehr zu bieten hat, als grausame Gewalt. Und das wären, wie bereits erwähnt, ein gutes Schauspiel und interessante Figuren, aber auch tolle Dialoge, ein schönes Set- und Kostümdesign, welches einen sofort in die Zeit mitnimmt, eine gute Kamerführung und ein zu allem passender Score, der immer genau richtig eingesetzt ist.

Positiv hervorzuheben bleibt auch, dass S. Craig Zahler hier auf die, für Horrorfilme fast schon typischen Jump-Scrares verzichtet hat. Dadurch dürfte sich der Film zwar für manche wie kein klassischer Horrorfilm anfühlen, allerdings verhindert der Regisseur damit, dass sich sein Werk nicht nach dem X-ten Jump-Scare abnutzt und stellt somit sicher, dass der Film am Ende sogar dazu einlädt, ein weiteres Mal geschaut zu werden. Vielmehr wird hier Spannung durch lange Einstellungen und ein stimmungsvolles Sounddesign erzeugt.

BONE TOMAHAWK ist kein typischer Horrorfilm. Er ist nicht einmal ein typischer Western. Dennoch hat der Regisseur bewiesen, dass sich die richtigen Elemente beider Genre wunderbar zusammenführen lassen und am Ende daraus ein Film entstehen kann, der sehr gut gespielt, gut geschrieben und sehr spannend ist. Und eben aus diesen Gründen wird BONE TOMAHAWK positiv im Gedächtnis bleibt – wenn man ihn lässt.

Dreckig, staubig und brutal. Wirklich sehr gelungen.

 

Punkte: 13 von 15

OT: BONE TOMAHAWK

Start: Bereits erhältlich

Land & Jahr: USA, 2015

Regie: S. Craig Zahler

Darsteller: Kurt Russel, Matthew Fox, Patrick Wilson, Richard Jenkins, Lili Simmons, David Arquette, Sid Haig u.a.

Vertrieb: Constantin Film

Laufzeit: ca. 132 min

FSK: 18

Geschnitten: Nein

Bildquelle: http://www.filmstarts.de/kritiken/212035/bilder/?cmediafile=21260464


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