HOUNDS OF LOVE

Heimkino

Welcome to the House of Love.

Wir schreiben das Jahr 1987 und befinden uns in dem australischen Ort Perth. Das Ehepaar John (Stephen Curry) und Evelyn White (Emma Booth) hat eine äußerst perfide Strategie entwickelt. Vordergründig freundlich und mit Kindersitz auf der Rückbank locken sie gutmütige Teenagerinnen zu sich ins Auto, bringen sie in ihr Haus und fesseln sie an ein Bett, um sie anschließend gemeinsam zu vergewaltigen.

Die Teenagerin Vicki (Ashleigh Cummings) ist gerade zu Besuch bei ihrer Mutter Maggie (Susie Porter). Nachdem es zwischen ihr und ihrer Mutter zu einem Streit gekommen ist, schleicht sich Vicki abends aus dem Haus, um zu einer Party zu gehen. Dort wird sie allerdings nie ankommen, denn das Ehepaar White hat sie bereits als nächstes Opfer ausgewählt.

Der Einstieg in Hounds of Love ist wirklich beeindruckend gut gelungen. Ohne große Umschweife werden alle Figuren vorgestellt und als ZuschauerIn findet man sich sofort im Geschehen wieder. Dabei verzichtet der Film zunächst auf viele Dialoge und schafft es, fast ausschließlich durch Bilder die Situation und die wichtigen Konflikte zu erzählen und gewährt trotzdem (oder gerade deswegen) einen ersten Einblick in die Psyche der Figuren. Und diese, ja fast schon schnörkellose, geradlinige Erzählweise behält der Film bis zum Ende bei.

Doch Regiedebütant Ben Young beweist hier nicht nur ein Händchen für wirkungsvolles Erzählen, sondern auch für einen effektvollen Einsatz psychischer Gewalt. Während andere Filme nicht mit expliziten Gewaltdarstellungen geizen und jede noch so widerliche Schandtat vor die Linse bringen müssen, werden diese in Hounds of Love vorwiegend nur angedeutet. Es ist ein Spiel mit der Vorstellungskraft, bei dem die Kamera im Film meist nur Ausschnitte zeigt oder frühzeitig wegblendet, aber dennoch genügend Material für die Kamera im Kopf des Publikums liefert. Und genau dadurch brennt sich Hounds of Love in die Köpfe seiner ZuschauerInnen ein.

Des Weiteren besticht der Film durch (fast) ausschließlich starke Figuren und gute Schauspielleistungen. Allen voran die weiblichen Hauptdarstellerinnen Ashleigh Cummings und Emma Booth wissen ihre Rollen glaubhaft zu vermitteln – und beide haben dankenswerter Weise genügend Screentime, um ihre Figuren zu entwickeln. Doch auch Stephen Curry passt wunderbar in die Rolle des Sadisten, welcher, zumindest in seinem Haus, Macht über die Schwachen besitzt (und ausübt). Einzig Susie Porter als Löwenmutter, die ihre Tochter wiederfinden möchte, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Rolle etwas zu dünn geraten ist. Dadurch kann am Ende des Films der Eindruck entstehen, dass die Mutter-Tochter-Storyline unnötig war, obwohl sie eigentlich den Kern der Geschichte bilden sollte. Ein subtiler geschriebener Konflikt und eine ausgefeiltere Mutterfigur wären hier das I-Tüpfelchen gewesen.

Auch das Ende flacht, im Gegensatz zum restlichen Film, etwas ab. Die Spannung wird zwar bis zur letzten Szene oben gehalten, nur ist der Showdown leider ein wenig zu konventionell geraten und fügt sich demzufolge nicht ganz so stimmig in das Gesamtwerk ein.

Was beim Schauen des Films sehr positiv auffällt, sind die Bilder. Jede Aufnahme scheint förmlich perfekt inszeniert zu sein. In manchen Momenten werden schöne, ausdrucksstarke Bilder kreiert und in anderen Momenten ist die Beklemmung fast spürbar. Die subtil eingesetzten Zeitlupeneffekte unterstreichen dabei zum einen die ästhetische Komponente, bauen aber auf der anderen Seite auch die Spannung weiter auf. Getragen wird das alles von einem wunderbaren Soundtrack und in den besten Momenten werden Erinnerungen an Filme wie etwa Drive wach.

Am Ende ist Hounds of Love ein durchweg gut inszenierter Thriller mit dramatischen Einschlägen, der seine Geschichte in teils sehr ästhetischen Bildern, von einem passenden Soundtrack untermalt, erzählt und nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

Intensiv, spannend und nichts für schwache Nerven.

 

Punkte: 12 von 15

OT: HOUNDS OF LOVE

Start: Bereits erhältlich

Land & Jahr: AUS, 2016

Regie: Ben Young

Darsteller: Ashleigh Cummings, Emma Booth, Stephen Curry, Susie Porter, Harrison Gilbertson, Damian de Montemas u.a.

Vertrieb: AL!VE

Laufzeit: ca. 108 min

FSK: 16

Geschnitten: Nein

Bildquelle: http://www.imdb.com/title/tt3896738/mediaviewer/rm902051328


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s