NIGHT SESSION

Heimkino

Skate and Create

Manchmal frage ich mich, warum ich Filmkritiken schreibe. Letztendlich verleitet es dazu, jeden Film bis auf’s kleinste Detail zu analysieren, wobei nicht selten ein entscheidendes Element für die Bewertung auf der Strecke bleibt – der Filmgenuss. Vor allen Dingen die abschließende Bewertung, egal ob in Zahlen, Sternen oder getanzt, ist ein Graus. Dadurch werden Filme zwangsläufig mit anderen Filmen in eine Schublade gesteckt – auch wenn diese völlig verschieden sind. Darum fällt es mir oftmals schwer, zu Zettel und Stift zu greifen und die passenden Worte zu finden. Doch bei NIGHT SESSION ist es anders, hier flowt es.

Dabei ist die Hintergrundidee so einfach wie genial. Regisseur Philipp Dettmer wollte ein Lebensgefühl heraufbeschwören. Ein Gefühl aus seiner eigenen Jugend. Ein Gefühl von Unbeschwertheit und Freiheit. Und genau das hat er geschafft. NIGHT SESSION ist ein Film über Freundschaft, Skateboarding und eben jenes Gefühl. Es ist ein Film über vier Typen, die mit ihren Skateboards durch die nächtlichen Straßen Münchens von Spot zu Spot pushen, Bier trinken, kiffen und Blödsinn erzählen. Punkt. Das war’s. Und zu Beginn ist das Ganze etwas behäbig und gestellt, später aber seltsam hypnotisch und authentisch Ab und an ist das auch manchmal langweilig, aber gerade dadurch extrem spannend. Hier wird einfach auf jegliche Konvention gepfiffen, denn für Philipp Dettmer war es wichtiger, einen Flow, ähnlich wie bei einer Skatesession, zu kreieren.

Dafür hat er mit Thomas Eckert, Sergio Grosu, Pacel Khachab und Jonas Rosenbauer die passenden Akteure gefunden. Scheinen sie sich in den ersten Minuten noch etwas unwohl vor der Kamera zu fühlen und sich gestellt cool zu unterhalten (Trinkspieltipp: Jedes Mal, wenn das Wort ‚chillig‘ fällt, einen Kurzen trinken), kippt dieser Eindruck im Verlauf des Films und spätestens beim ersten Spot beginnt der Film seine Magie zu entfalten.

Der Soundtrack hingegen ist selten überragend, dafür aber immer passend. Die Kamera klebt förmlich an den Protagonisten und während der einzelnen Skatesessions weiß sie sogar, einige eindrucksvolle Bilder einzufangen. Der ansonsten dokumentarische Stil erinnert nicht selten an den deutschen Film VICTORIA.

NIGHT SESSION ist eine Mockumentary, also eine Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm. Es wird keine wahre Geschichte erzählt, aber der Kern dieser Erzählung ist dennoch wahr. Während andere Skate-Filme, wie etwa STREET DREAMS, versuchen Skateboarding und klassisches Storytelling miteinander zu verknüpfen, grenzt sich NIGHT SESSION davon wohltuend ab. Der Film versucht gar nicht erst etwas zu sein, was er nicht ist. Er ist schlicht ein abgebildetes Lebensgefühl, mit dem Herz am rechten Fleck und genau das macht ihn authentisch und sehenswert.

Insgesamt wirkt NIGHT SESSION wie aus einem Guss und ist herrlich unangepasst. Und genau das ist es, warum es mir Spaß macht, über dieses Film zu schreiben, weil er anders ist und sich jeglichen Normen entzieht. Und vor allem: Jetzt habe ich selbst Bock, mein angestaubtes Rollbrett aus der Ecke zu holen und durch die Kante zu shredden, bis die alten Knochen knacken. Peace!

Chillig!

 

Punkte: 12 von 15

OT: NIGHT SESSION

Start: Bereits erhältlich

Land & Jahr: D, 2016

Regie: Philipp Dettmer

Darsteller: Thomas Eckert, Sergio Grosu, Pacel Khachab, Jonas Rosenbauer u.a.

Vertrieb: AL!VE

Laufzeit: ca. 79 min

FSK: 12

Geschnitten: Nein

Bildquelle: http://www.filmstarts.de/kritiken/246077/bilder/?cmediafile=21294370


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