BLADE RUNNER / BLADE RUNNER 2049

Lichtspielhaus – Special

BLADE RUNNER oder was es bedeutet, menschlich zu sein.

Asche auf mein Haupt, aber der BLADE RUNNER-Kelch war bisher an mir vorbei gegangen. Einen genaueren Grund, als dass ich mich nie sonderlich für diesen Film interessiert hatte, kann ich nicht nennen. Auch dessen Kultstatus konnte mich nicht davon überzeugen, meine kostbare Lebenszeit zu investieren und einen Blick zu riskieren.

Bis 2017 der erste Teaser-Trailer zu BLADE RUNNER 2049 veröffentlicht wurde und auch an mir nicht spurlos vorbei ging. Doch was war von einem Film zu erwarten, der nach etwas mehr als 30 Jahren nach Erscheinen eines eigentlich eigenständigen Films, dessen Geschichte weiter erzählen möchte? Die anfängliche Skepsis wich schnell einem gewissen Interesse, waren die Bilder doch atemberaubend.

Allerdings blieb es mir dieses Mal aus zeitlichen Gründen nicht vergönnt, BLADE RUNNER und BLADE RUNNER 2049 zu sichten. Erst knapp ein Jahr später bot sich mir die Gelegenheit, beide Filme im Originalton im heimischen Kino des Filmmuseums sehen zu können.

Doch genug der viel zu langen Anekdote, kommen wir zu den Filmen:

Im Jahr 2019 gibt es neben den Menschen sogenannte Replikate, die herangezüchtet werden, um als Kampfmaschinen neue Welten zu erobern. Jedoch bleibt es ihnen nicht vergönnt, mehr als vier Jahre zu leben, denn, so heißt es, würden sie nach diesen vier Jahren eine eigene Persönlichkeit entwickeln. Und eine eigene Persönlichkeit ist für gehorsame Kampfmaschinen nicht vorgesehen, sodass ihre kurze Lebenserwartung in ihren genetischen Code einprogrammiert wurde. Auch ist es für sie illegal, auf der Erde zu leben. Falls sie sich dennoch zur Erde begeben, werden sie von Polizisten, den sogenannten ‘Blade Runnern’, gejagt und, nein, nicht getötet, sondern ‘entlassen’.

Einer dieser Blade Runner ist Rick Deckard (Harrison Ford), der auf vier Replikanten angesetzt wird. Hat er eigentlich den Ruf des besten Blade Runners, so scheint er von dem Auftrag nicht begeistert zu sein. Schnell wird er mit den Fragen konfrontiert, ob er für diese Welt überhaupt geschaffen ist und was es bedeutet, menschlich zu sein und zu handeln.

Hochhäuser, so weit das Auge reicht. Die Straßen sind dreckig. Das körnige Bild der Kamera ebenfalls. Geräusche, Lichter, Menschen, Müll. Überall ist etwas los, es blinkt und tönt. Das Zukunftsbild, welches der Film zeichnet, ist kein blumiges. Es ist eine Dystopie.

Was Regisseur Ridley Scott mit BLADE RUNNER geschaffen hat, ist nichts weiter als einer der besten Science Fiction-Filme. Wäre, aufgrund des Konfliktes und der typischen Protagonist-Antagonist-Konstellation, ein actiongeladener Blockbuster zu erwarten, so entpuppt sich der Film schnell als Blockbuster für das Gehirn. Die Geschichte wird in sehr ruhigen, fast zeitlupenartigen Aufnahmen erzählt. Man nimmt sich Zeit. Zeit, um den Konflikt zu etablieren. Zeit, um die Figuren einzuführen. Zeit, um ihnen Raum zur Entfaltung zu geben. Nicht selten werden, aufgrund des behäbigen Erzähltempos und der schleichenden Spannung, Erinnerungen an ALIEN wach.

Damit einher gehen philosophische Fragen, die der Film mal mehr, mal weniger offen stellt. Hinter jeder Kameraeinstellung scheint sich ein Motiv zu verbergen. Jeder Blick und jede Geste scheinen etwas sagen zu wollen. Jeder Satz ist bedeutungsschwanger. Alles will interpretiert werden. Und genau das ist es, was BLADE RUNNER ausmacht. Kleinere Ungereimtheiten fallen da kaum ins Gewicht. Und dass der Film an manchen Stellen doch sehr gealtert ist, auch nicht. Er versprüht einen gewissen Charme.

Dann, 30 Jahre später, im Jahr 2049, sind die Replikanten nicht mehr nur als Kampfmaschinen, sondern vielseitig einsetzbar. Zudem wurde die Unsterblichkeit für sie entdeckt. Um die älteren Modelle zu ‚entlassen‘ sind auch weiterhin die Blade Runner im Einsatz.

Officer ‘K’ ist Replikant und Blade Runner zugleich. Bei der Ausführung eines Auftrags stößt er auf ein Geheimnis, welches nicht dafür gedacht war, jemals gelüftet zu werden. Und so wird eine Kette von Ereignissen von ihm in Gang gesetzt, die bald schon auch sein eigenes Leben in Gefahr bringt.

Mehr soll an dieser Stelle gar nicht verraten werden, denn BLADE RUNNER 2049 erzählt die Geschichte seines Vorgängers in einigen Punkten weiter. Zwar würde er auch als eigenständiger Film funktionieren, dabei jedoch einiges verloren gehen, wenn man BLADE RUNNER nicht schauen hätte.

So besitzt BLADE RUNNER 2049 neben vielen Referenzen auf den ersten Film und viel Liebe zum Detail, auch eine filmisch ähnliche Darbietung. Ruhige Bilder, langsames Erzähltempo, aber immer mit einer Wucht und einer Spannung, die seinen Vorgänger bei weitem übertreffen.

Vor allen Dingen die Spezialeffekte und die Bildkomposition stechen hervor. Nicht umsonst gab es hierfür den Oscar. Getragen von einem Score, der die gezeigten Bilder wunderbar ergänzt, entsteht eine äußerst dichte Atmosphäre. Doch letztendlich könnten über diesen Film sowieso fast ausschließlich lobende Worte gefunden werden.

Letzten Endes ist BLADE RUNNER 2049 mehr als ein würdiger Nachfolger. Denn während Ridley Scott mit BLADE RUNNER einen der besten Science Fiction-Filme geschaffen hat, gelang Denis Villeneuve mit BLADE RUNNER 2049 ein Meisterwerk.

Ein Kultfilm und einer, der es definitiv noch werden wird.

 

Punkte: 12 von 15 (BLADE RUNNER) / 14 von 15 (BLADE RUNNER 2049)

OT: BLADE RUNNER / BLADE RUNNER 2049

Start: Bereits erhältlich

Land & Jahr: USA/HK/UK 1982 / USA 2017

Regie: Ridley Scott / Denis Villeneuve

Darsteller: Harrioson Ford, Sean Young, Rutger Hauer, Daryl Hannah u.a. / Ryan Gosling, Harrison Ford, Robin Wright, Ana de Armas, Sylvia Hoeks u.a.

Laufzeit: ca. 118 min. / ca. 164 min.

FSK: 16 / 12

Geschnitten: Nein


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