HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS / HALLOWEEN

Lichtspielhaus – Special

HALLOWEEN H40.

Vor fast genau 40 Jahren startete HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS in den Kinos. Der Kultfilm aus dem Jahr 1978 zog bis dato insgesamt sieben Sequels und ein Remake inklusive eigenständigem Sequel nach sich. Wobei die Geschichte dazu ein wenig verworren scheint.

Nachdem in HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS und HALLOWEEN II – DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK die Geschichte um Michael Myers erzählt wurde, stellt HALLOWEEN III etwa den Versuch dar, aus der HALLOWEEN-Marke etwas neues zu kreieren. So sollte dieser Teil der Startschuss für eine Reihe von Filmen werden, die alle das Wort HALLOWEEN im Namen tragen, dabei jedoch unterschiedliche und eigenständige Geschichten erzählen sollten. Also eine Anthologie-Filmreihe. Und so handelte HALLOWEEN III auch gar nicht von dem maskierten Massenmörder Michael Myers. Das kam jedoch nicht wirklich gut an. Fast könnte man meinen, dass dieser Schritt zu mutig war. Doch vielleicht lag es auch einfach nur an der mäßigen Qualität des Films.

HALLOWEEN IV – MICHAEL MYERS KEHRT ZURÜCK war, wie der Name es schon vermuten lässt, eine zu erwartende Rückkehr zum eigentlichen Konzept der Reihe, worauf noch zwei weitere, eher weniger gute Sequels folgten.

HALLOWEEN H20 war ein zweiter gewagter Schritt in der Geschichte der Filmreihe, erklärte er doch alle Teile nach HALLOWEEN II – DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK für null und nichtig und erzählte die Geschichte 20 Jahre später weiter. Darauf folgte ein weiteres, wiederum eher weniger gelungenes Sequel.

Dann machte sich 2007 Rob Zombie daran, der Filmreihe – und dem mittlerweile zig Mal gestorbenen Michael Myers – neues Leben einzuhauchen. Dafür fing er noch einmal von vorne an und drehte sowohl ein Remake zu HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS plus ein zum Remake eigenständiges Sequel. Leider können auch diese beiden Filme als nicht besonders gelungen bezeichnet werden.

Nun, knapp 40 Jahre nach dem Start des Franchises, kommt mit HALLOWEEN ein Teil der Reihe in die Kinos, welcher wiederum alle bisher erschienenen Nachfolgefilme außer Acht lässt und somit einen ‚zweiten zweiten Teil‘ darstellt. Da drängt sich die Frage auf – War dieser Schritt wirklich notwendig und hat es sich, auch im Anbetracht der vielen schlechten Fortsetzungsfilme, überhaupt gelohnt?

Nun, um diese Frage zu beantworten, fangen wir am besten ganz von vorne an und kehren zurück zu den Geschehnissen in der Nacht, in der das Grauen seinen Anfang nahm.

Wir schreiben das Jahr 1963, als der kleine Michael Myers (Will Sandin) im Alter von gerade einmal sechs Jahren seine ältere Schwester tötet. Daraufhin wird er in eine psychiatrische Anstalt gebracht, wo er fortan von seinem Psychiater Dr. Loomis (Donald Pleasence) beobachtet und untersucht wird. Ein sehr schwieriges Unterfangen, da sich Michael in einer Art apathischem Zustand zu befinden scheint.

Nach 15 Jahren jedoch, einen Tag bevor er verlegt werden sollte, scheint er aus diesem Zustand erwacht zu sein und ihm gelingt die Flucht. Dr. Loomis weiß, welches Unheil Michael Myers (Nick Castle) anrichten könnte, doch niemand scheint seinen Warnungen Glauben zu schenken. Was nun folgt, ist eine wahre Nacht des Grauens…

… und der Rest ist Filmgeschichte. HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS ist zu einem wahren Klassiker geworden. Dabei zeichnet er sich vor allem durch seine Atmosphäre aus. So war es gar nicht das Anliegen des Regisseurs John Carpenter, einen reißerischen Splatterfilm mit möglichst vielen brutalen Mordszenen zu drehen. Viel mehr wollte er eine unheimliche Stimmung erzeugen. Statt auf Splatter und Gore, wie es für einen Slasher-Film üblich ist, wird hier also auf Suspense gesetzt.

Dazu tragen vor allem die langen Aufnahmen und langsamen Kamerafahrten bei, welche von der bedrohlichen Musik untermalt werden. Diese wurde ebenfalls von John Carpenter komponiert, wobei ihm damit wahrlich Großes gelungen ist. Wohl jeder Mensch in der westlichen Welt kennt das Hauptmotiv, selbst wenn er den eigentlichen Film nicht kennt. Es ist zwar simpel und besteht aus kaum mehr als Klavier und Synthesizer, aber es entfaltet seine Wirkung. An den richtigen Stellen weiß die Musik sogar auszusetzen, um Spannung und Unbehagen durch trügerische Stille aufzubauen.

So bilden Musik und Kamera eine Symbiose, wobei an dieser Stelle natürlich nicht nur die Musik, sondern auch die Kameraarbeit von Dean Cundey gewürdigt werden sollte. Er schafft es immer wieder eine unheimliche Stimmung zu kreieren, indem er im Hintergrund das Grauen meist nur andeutet, ja, förmlich ankündigt. Ein wahrer Fan des Slasher-Genres fühlt sich dadurch wahrscheinlich vor den Kopf gestoßen, passiert doch lange Zeit nicht viel mehr als das. Das Grauen kommt eben nicht mit Vorschlaghammer oder Machete um die Ecke, sondern tastet sich, geduldig auf den richtigen Moment wartend, an seine Opfer heran. Und wenn man sich darauf einlassen kann, wird man mit einem spannenden Film belohnt.

Was er einigen Kollegen seinen Genres ebenfalls voraus hat ist, dass er gut gealtert ist. Zwar merkt man ihm hier und da das Alter an, etwa wenn ein Mord geschieht und die Figuren dabei besonders theatralisch sterben. Doch das, sowie der wirklich furchtbare Kleidungs- und Frisurenstil, besitzen wiederum einen gewissen Charme.

Das einzig wirkliche Manko ist die Figurengestaltung. Sind die Hauptfiguren durchaus durchdacht und dürfen im Laufe des Films eine eigene Persönlichkeit entwickeln, so sind die Nebenfiguren teilweise sehr platt geraten. Eine Genre-Falle, in welche auch dieser Film getappt ist.

Alles in allem ist HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS aber ein wirklich gelungener Film, dem kaum etwas vorzuwerfen ist. Nicht umsonst gilt er heutzutage als Kultfilm.

HALLOWEEN und der Fluch der Sequels?

Nun ist aber nicht das Anliegen dieser Filmbesprechung, einen wahren Klassiker in den Himmel zu loben, sondern vor allem zu schauen, ob auch der neueste Nachfolger dieses Niveau erreichen kann oder ob er viel mehr ein weiterer liebloser Aufguss geworden ist.

Über diese Frage scheinen sich die meisten KritikerInnen bisher einig zu sein. Und auch ich kann mich diesem Tenor nur anschließen. Ja, der neue HALLOWEEN-Film aus dem Jahr 2018 ist ein würdiger Nachfolger des Klassikers.

40 Jahre sind vergangen. Nicht nur im realen Leben, sondern auch seit der Halloweennacht 1978. Und sowohl Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), das ‚Final Girl‘ aus dem ersten HALLOWEEN-Film, als auch Michael Myers (James Jude Courtney) scheinen durch die Ereignisse aus jener Nacht miteinander verbunden zu sein. Michael mit Laurie, weil er seine Tat nicht vollenden konnte. Laurie mit Michael, weil sie seit jener Nacht traumatisiert ist und sich seitdem regelrecht auf eine Begegnung mit ihrem persönlichen Dämon vorzubereiten scheint.

Zu viel soll von der Handlung nicht verraten werden, weshalb die Inhaltsangabe an dieser Stelle so knapp ausfällt. Es ist am besten so wenig wie möglich über den Film vorab zu wissen, selbst der Trailer verrät schon zu viel. Somit werde ich auch versuchen, den Film so spoilerfrei wir nur möglich zu besprechen.

Es gab einige Vorzeichen die versprachen, dass der neueste HALLOWEEN-Film nicht das absolute Grauen werden könnte. Immerhin ist Michaels Schöpfer, John Carpenter, wieder mit an Bord. Zwar nicht als Regisseur, denn auf dem Regiestuhl nahm dieses Mal David Gordon Green Platz, aber als Produzent und auch für die Musik zeichnet er sich wieder mitverantwortlich.

Doch nicht nur, dass John Carpenter wieder mit dabei ist, auch Musik und Kamera zeigen eine starke Verbindung zum Ursprungsfilm auf. Lange Aufnahmen, teils langsame Kamerafahrten, eine Bildkomposition, die das Grauen im Hintergrund andeutet und eine Musik, die wieder für Gänsehaut sorgt.

Doch nicht nur stilistisch gibt es einige Verweise auf den ersten Teil, auch inhaltlich lassen sich immer wieder Anspielungen finden. Fast könnte man meinen, der Film wäre viel mehr eine Hommage als ein Sequel. An der ein oder anderen Stelle ist es auch etwas zu viel des Guten.

Was den Film aber davor bewahrt, seine Eigenständigkeit zu verlieren und zu einer reinen Referenz zu verkommen, ist zum einen selbstverständlich die Story, welche die Geschichte fortführt, aber auch das Erzähltempo. Während der erste Teil das Grauen langsam einführt und so die Spannung nach und nach steigert, macht der neue Film keine Gefangenen. Michael Myers metzelt munter vor sich her, dass es schon fast verwundert, dass der Film lediglich ab 16 Jahren freigegeben ist. Zum einen macht das natürlich Spaß, zum anderen hat es aber auch etwas Willkürliches. Im ersten Teil konnte man fast noch den Eindruck gewinnen, als hätte Michael Myers gewisse Beweggründe, auf deren Grundlage er seine Opfer auswählt. Im Jahr 2018 ist hingegen so gut wie niemand mehr vor ihm sicher.

Was positiv hervorzuheben ist, sind die Figuren. Hier scheinen selbst die Nebenfiguren ausdifferenzierter. Ihnen wird mehr Raum geboten, wodurch sie zumindest etwas natürlicher wirken. Nun gut, nicht alle Figuren, aber fast alle. Ein schwarzes Schaf gibt es auch hier, nämlich die Figur des „neuen Dr. Loomis“. Diese kommt bei weitem nicht an den ursprünglichen Charakter heran und auch die Beweggründe der Figur sind mehr als fragwürdig.

Worauf man sich ebenfalls einlassen muss, ist das actiongeladene Ende. Es ist zwar konsequent und hat sich in gewisser Weise den ganzen Film über angekündigt, aber dem einen oder der anderen dürfte dieser Showdown eine Spur zu dick aufgetragen sein.

Somit ist auch der neues Streich der HALLOWEEN-Reihe ein Film, auf den man sich einlassen muss. Wenn man es kann, wird man mit einem wirklich unterhaltsamen Film belohnt. Zumindest zählt er mit Abstand zu den besten Sequels der Reihe. Er kann zwar nicht an das Niveau des Kultfilms heranreichen, viel fehlt allerdings nicht. Ob es nun aber sinnvoll war, eine ganze Reihe für null und nichtig zu erklären, muss jeder Zuschauer und jede Zuschauerin letzten Endes für sich selbst entscheiden.

Mittlerweile wurde aufgrund des Erfolges angekündigt, dass ein dritter Teil im Rahmen des Möglichen wäre. Bleibt also zu hoffen, dass auch dieser Film das Niveau halten kann und ein weiteres Reboot der Reihe somit nicht notwendig ist. Bis es aber so weit ist und wir herausfinden, ob der potentielle dritte Teil gelungen ist oder nicht, können wir mit HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS und HALLOWEEN eine schön schaurige (Hallowen-)Nacht mit zwei grauenhaft guten Filmen verbringen.

Eine gelungene Rückkehr des Michael Myers.

 

Punkte: 13 von 15 (HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS) / 12 von 15 (HALLOWEEN)

OT: HALLOWEEN / HALLOWEEN

Start: Bereits erhältlich / 25.10.2015

Land & Jahr: USA 1978 / USA 2018

Regie: John Carpenter / David Gordon Green

Darsteller: Jamie Lee Curtis, Donald Pleasence, Brian Andrews u.a. / Jamie Lee Curtis, Judy Greer, Andi Matichak u.a.

Laufzeit: ca. 91 min. / ca. 105 min.

FSK: 16 / 16

Geschnitten: Nein

Bildquelle: https://www.imdb.com/title/tt1502407/mediaviewer/rm1789361152

 


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