BRAWL IN CELL BLOCK 99

Heimkino

Es brodelt im Zellenblock 99.

S. Craig Zahler lieferte mit BRAWL IN CELL BLOCK 99 seinen zweiten Film ab, bei dem er wieder Regie führte und das Drehbuch schrieb. Und genauso wie sein Debut-Film BONE TOMAHAWK, lässt sich auch dieser Streifen mit drei Attributen beschreiben – ruhig, intensiv und brutal. Während BONE TOMAHAWK ein slow-burning Horror-Western ist, so ist BRAWL IN CELL BLOCK 99 ein slow-burning Gefängnis-Thriller. Das bedeutet, dass sich Zahler also auch in seinem zweiten Film Zeit nimmt, die Geschichte zu erzählen. Doch worum geht es eigentlich?

Es geht um Bradley Thomas (Vince Vaughn), der zuerst von seinem Boss gefeuert wird und anschließend feststellen muss, dass ihn seine Frau Lauren (Jennifer Carpenter) betrogen hat. Nachdem Bradley seine Wut lieber an dem Auto seiner Frau, als an seiner Frau selbst, ausgelassen hat, sprechen beide über das, was passiert ist, über das, was schief gelaufen ist und über das, was sie zukünftig besser machen wollen. Und so wagen sie einen gemeinsamen Neuanfang.

Dann, ein Schnitt. 18 Monate sind vergangen. Bradley arbeitet mittlerweile als Drogenkurier und verdient damit gutes Geld. Lauren ist zudem hochschwanger. Beide leben in einem neuen Haus. Alles scheint sich zum Besseren gewendet zu haben – bis bei einem Deal etwas schief geht und Bradley ins Gefängnis muss. Dort angekommen erhält er die Botschaft, dass seine Frau gekidnappt wurde und dass er sie nur retten kann, in dem er im berüchtigten Zellenblock 99 des Hochsicherheitsgefängnisses Redleaf eine Zielperson ausschaltet. Doch um diesen Auftrag ausführen zu können, muss Bradley erst einmal dafür sorgen, ins Redleaf und anschließend in den Zellenblock 99 verlegt zu werden…

Die Handlung von BRAWL IN CELL BLOCK 99 entfaltet sich ebenso geradlinig wie gemächlich. Jedes Bild wird auserzählt, was zu der ruhigen und fokussierten Art der Hauptfigur passt. Bradley scheint in sich zu ruhen und bedacht zu handeln. Doch die Anspannung ist stets spürbar. Es brodelt. Zunächst nur unter der Oberfläche, bis Bradley schließlich nicht mehr anders kann und sich zur Wehr setzen muss. Dabei entfacht er eine Gewaltorgie sondergleichen.

Wer nun denkt oder hofft, dass die Gewalt stylisch oder unterhaltsam dargeboten wird, der irrt. Hier ist nichts stylisch und hier ist nichts cool. Kaum verlangt das Bild die große Leinwand und selten sucht es nach dem Spektakel. Dafür hält die Kamera eiskalt drauf, wenn das Spektakel passiert. Und das ist mitunter so brutal, dass es eher zum Wegsehen als zum Hinschauen ist. Es ist, wie der sprichwörtliche Schlag in die Magengrube.

hnlich wie BONE TOMAHAWK läuft auch dieser Film Gefahr, vor allem aufgrund der Brutalität im Gedächtnis des Publikums zu bleiben. Und ebenso, wie bei BONE TOMAHAWK, bin ich der Meinung, dass weniger manchmal mehr gewesen wäre und dass S. Craig Zahler nicht so sehr auf den Aspekt der expliziten Gewalt hätte setzen müssen, da der Film durchaus andere (Schau-)Werte zu bieten hat.

So ist die Geschichte, rund um einen Mann, der auf die schiefe Bahn gerät und anschließend für seine Fehler sühnen muss, zwar nicht neu, kann dafür aber immer wieder mit klugen und interessanten Ideen punkten und sich dadurch von der Masse abheben. Hinzu kommt das wirklich gute Schauspiel aller Beteiligten, wobei die Performance von Vince Vaughn hervorgehoben werden muss. Einmal mehr konnte er beweisen, dass er ein Charakterdarsteller ist, wobei hier seine körperliche Präsenz zusätzlich zur Geltung kommt.

Außerdem ist der Film, trotz seiner ruhigen, nüchternen Erzählweise sowie seiner Länge von 132 Minuten, alles andere als langweilig. Er ist packend und spannend, schlichtweg intensiv.

Insgesamt konnte S. Craig Zahler ein weiteres Mal beweisen, dass er ein sehr guter Drehbuchautor und Regisseur ist. Zwar hätte er in Sachen Gewaltdarstellung hier und da ein wenig auf die Bremse treten können, aber insgesamt hat er mit BRAWL IN CELL BLOCK 99 ein weiteres mal einen durch und durch gelungenen Film abgeliefert.

Don’t call me Brad.

OT: BRAWL IN CELL BLOCK 99

Start: Bereits erhältlich

Land & Jahr: USA, 2017

Regie: S. Craig Zahler

Darsteller: Vince Vaughn, Jennifer Carpenter, Don Johnson, Udo Kier u.a.

Laufzeit: ca. 132 min

Freigabe: SPIO/JK – Keine schwere Jugendgefährdung

Geschnitten: Nein

Bildquelle: http://www.filmstarts.de/kritiken/247431/bilder/?cmediafile=21436210


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