HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN

Heimkino

Aus dem Hintergrund ins Rampenlicht.

Es ist das Jahr 1961. Die drei jungen Frauen Katherine (Taraji Penda Henson), Dorothy (Octavia Spencer) und Mary (Janelle Monáe) arbeiten bei der US-Raumfahrtbehörde NASA. Gemeinsam mit einigen anderen Frauen führen sie dort als ‘Human Computers’ Berechnungen von unterschiedlichster Art und unterschiedlichstem Schweregrad durch. Jede einzelne der drei Frauen hat dabei ihre eigene Begabung. Dorothy ist eine geschickte Autodidaktin und hat ein sehr gutes Händchen für Technik. Zudem übernimmt sie die Aufgabe der Abteilungsleiterin. Mary sieht ihre Ambitionen im Ingenieurwesen und wird damit beauftragt, an der Entwicklung von Raumkapseln mitzuwirken. Katherine wiederum ist mathematisch sehr begabt und kann selbst die komplexesten Rechenvorgänge im Kopf durchgehen. So wird sie in die Abteilung der Space Task Group versetzt, um für den ersten Flug eines Menschen ins Weltall die richtige Flugbahn zu berechnen.

Jede der drei Frauen hat im Grunde das Potential viel zu erreichen. Jedoch sehen sie sich immer wieder mit widrigen Umständen konfrontiert. Steine werden ihnen in den Weg gelegt, um sie am Vorankommen zu hindern. Und das nur aufgrund von zwei Tatsachen – weil sie Frauen sind und wegen ihrer Hautfarbe! Dorothy, Mary und Katherine sind Afroamerikanerinnen. Sie haben nicht nur die Bürde des ‘Frauseins’ zu tragen, sondern zusätzlich die Bürde des ‘Andersseins’. Denn in den Vereinigten Staaten des Jahres 1961 war es nicht nur der Fall, dass noch kein ‘Mann’ ins Weltall gelangte. Auch von der Gleichstellung der Frau und der Gleichberechtigung der afroamerikanischen Bevölkerung sind die USA noch Lichtjahre entfernt.

Und so wird in HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN eine Geschichte von drei Frauen erzählt, die sich nicht nur allmählich in der patriarchalen Welt emanzipieren müssen, sondern die sich auch gleichzeitig ihr Recht auf eine faire und gleichwertige Behandlung zu ihren weißen Kolleg*innen erkämpfen müssen. Es ist eine Geschichte über drei ‘Underdogs’, eine Geschichte wie David gegen Goliath, eine Geschichte von drei vermeintlichen Verliererinnen die beweisen müssen, dass Gewinnerinnen in ihnen stecken. Es ist eine Geschichte über Rassismus und Sexismus, über Ausgrenzung und Ablehnung. Gleichzeitig ist es aber auch eine Geschichte über Zusammenhalt, über das Träumen von besseren Zuständen und einem besseren Leben, und über die Hoffnung, dass die Welt eines Tages ein fairer und gerechter Ort sein könnte. Aber vor allem ist es eine Geschichte über Dorothy Vaughan, Mary Jackson und Katherine Goble Johnson, drei afroamerikanische Frauen die bei der NASA als ‘Human Computers’ angestellt waren und Geschichte geschrieben haben. Denn die Geschichte, die uns in HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN erzählt wird, beruht auf wahren Begebenheiten.

Und die Art und Weise, wie der Regisseur Theodore Melfi die Geschichte dieser drei jungen Frauen erzählt, ist einfach herzerwärmend und mitreißend. Denn HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN ist trotz der schweren Themen wie Rassismus und Sexismus alles andere als ein schwer verdaulicher Film. Vielmehr hat der Regisseur ein ‘Feel-Good Movie’ geschaffen, welches das Publikum mit einem guten Gefühl zurücklässt. Er konfrontiert mit deutlichen Aussagen, ist dabei aber stets versöhnlich. Genauso wie seine drei Heldinnen.

Dorothy, Mary und Katherine sind ein gutes Gespann, was vor allen Dingen dem wunderbaren Schauspiel der drei Darstellerinnen Octavia Spencer, Janelle Monáe und Taraji Penda Henson zu verdanken ist. Die Chemie zwischen ihnen ist einfach so gut, dass zu jedem Zeitpunkt, wenn die drei gemeinsam auf dem Bildschirm erscheinen, ein ‘Female Buddy Movie’-Gefühl aufkommt. Es wird mitgefiebert, mitgelacht und mitgelitten. Es sind die perfekten Identifikationsfiguren, in die sich das Publikum sofort hineinversetzen kann.

Was den Film darüber hinaus zu einem Feel-Good Movie macht, ist die Musik. Bestehend aus zeitgemäßen und aktuelleren Liedern wurden hier Stücke mit Ohrwurmcharakter ausgewählt. Und auch der Schnitt hat immer das richtige Tempo, sodass der Film stets im Flow bleibt und nie langweilig oder zäh wird. Das sorgt auch dafür, dass der Film über den Verlauf der 127 Minuten hinweg seine Tonalität überwiegend beibehält.

So schön die Geschichte in dem Film auch erzählt wird, so ist aber auch spürbar, dass die zugrunde liegenden Ereignisse etwas zurechtgebogen wurden. Der Verlauf der Geschehnisse ist zu gut arrangiert und die Dramaturgie zu perfekt konstruiert, als dass es in voller Gänze der Wahrheit entsprechen könnte. Dem Regisseur wurde sogar der Vorwurf gemacht, Dinge hinzu gedichtet zu haben. Hier schließt sich eine Diskussion an, welche zur Erscheinung von HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN weder zum ersten, noch zum letzten Mal geführt wurde. Wie haargenau sollte sich ein Film an die wahren Begebenheiten halten müssen und wie viel Raum für künstlerische Freiheiten bleibt den Kreativen? Eine ganze Reihe von Filmemacher*innen sahen sich mit dieser Frage konfrontiert.

Eine Diskussion über die historische Korrektheit ist in den meisten Fällen vorprogrammiert. Und das zu Recht. Denn welchen Stellenwert hat ein Film, wenn er mit dem Label ‘Based on a true story’ versehen wurde, sich im Endeffekt dann aber doch wieder von dem Zwang der ‘Historical Correctness’ lossagen möchte?

Nun, die Verteidigung kann dann lauten, dass es sich um einen Spielfilm handele und dass ein Spielfilm gar nicht den Anspruch hätte, die Ereignisse kleinteilig nachzuerzählen. Viel eher geht es darum, das große Ganze zu erzählen. Und das ist ebenfalls berechtigt. Ein Spielfilm der auf wahren Begebenheiten beruht, ist eine Fusion aus Fiktion und Realität. Es muss nicht immer echt sein, aber es muss sich echt anfühlen.

Allerdings gab es noch einen weiteren Vorwurf, den Theodore Melfi über sich ergehen lassen musste, der da lautete: ‘White Saviorism’. Der Film beinhalte nämlich einige Szenen, in denen das Stereotyp des ‘weißen Retters’ erzählt werde. Damit gemeint sind weiße Figuren, die selbstlos und in Eigenregie den ‘nicht-weißen’ Menschen zu Hilfe kommen, da sich diese wiederum nicht dazu imstande sehen, sich selbst helfen zu können. Und ja, solche Szenen sind in dem Film definitiv enthalten. Das wurde von Theodore Melfi auch selbst bestätigt.

Aber macht das HIDDEN FIGURES – UNERKANNTE HELDINNEN zu einem schlechten Film, den man sich aufgrund dessen lieber nicht ansehen sollte? Nein, denn trotz dieser Problematik handelt es sich um einen sehr sehenswerten Film. Denn erstens ist der Film aufgrund der angesprochenen Themen Sexismus und Rassismus nach wie vor aktuell. Zweitens werden diese Themen in keiner Weise verleugnet. Und drittens wird durch den Feel-Good Movie-Charakter möglicherweise ein Publikum erreicht, welches sich mit solchen Themen sonst gar nicht oder nur selten auseinandersetzt, was wiederum Gespräche und Diskussionen darüber anregen könnte.

Der Film zeigt auf, was schlecht ist in der Welt. Doch anstatt seine Figuren und das Publikum mit all dem Übel alleine zu lassen, nimmt er uns in den Arm und spendet Wärme. Er macht Hoffnung und Mut. Und es braucht eben das, Hoffnung und Mut, damit wir eine schönere, eine bessere, eine gerechtere Welt gestalten können. Gemeinsam und füreinander.

Die Rechnung geht auf: Ein sehr sehenswerter und wichtiger Film.

OT: HIDDEN FIGURES

Start: bereits erschienen

Land & Jahr: USA, 2016

Regie: Theodore Melfi

Darsteller: Taraji Penda Henson, Octavia Spencer, Janelle Monáe, Kevin Costner, Mahershala Ali u.a.

Laufzeit: ca. 127 min

Freigabe: FSK ab 0 Jahren

Geschnitten: Nein

Bildquelle: https://www.imdb.com/title/tt4846340/mediaviewer/rm2287610368


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