DOLEMITE IS MY NAME

Heimkino

Aus der Nische in den Mainstream.

Um etwas auf die Beine zu stellen, braucht es manchmal nicht viel mehr als genügend Selbstvertrauen, einen starken Willen und die richtigen Personen um sich herum. Mit diesen Zutaten lässt sich Großes erreichen.

Großes will auch Rudy Ray Moore (Eddie Murphy) erreichen. Er hat musikalische und komödiantische Ambitionen und um dem Erfolg noch ein Stückchen näher zu sein, ist er sogar extra nach Los Angeles gezogen. Doch statt des großen Durchbruchs wartet hier nur der öde Alltag auf ihn. Tagsüber arbeitet er als Verkäufer in einem Plattenladen. Abends steht er in einem Club zwar auf der Bühne, allerdings nur als Ansager.

Eines Tages betritt der Obdachlose Ricco (Ron Cephas Jones) den Plattenladen, in dem Rudy arbeitet. Dort beginnt Ricco damit, lautstark Geschichten zu erzählen und die Aufmerksamkeit der Kund*innen auf sich zu ziehen. Zwar möchte Rudy ihn aus dem Geschäft befördern, doch andererseits findet er die Stories, die Ricco erzählt, auch ziemlich amüsant. So amüsant, dass in ihm ein Gedanke aufkeimt. Er könnte doch die Geschichten von Ricco und anderen Obdachlosen aufzeichnen, umschreiben und dann als Kunstfigur auf der Bühne präsentieren. Gesagt, getan. Und so wurde die Kunstfigur des ‘Dolemite’ geboren, dem Pimp, der gekommen ist, um die “Motherfucker zu ficken”.

Als eben jener Dolemite verkleidet tritt Rudy wieder in dem Club auf, in dem er sonst die eigentlichen Acts ankündigt. Doch nicht so an diesem Abend, denn dieses Mal zieht er sein eigenes Programm durch, welches erstaunlich gut bei dem Publikum ankommt. Die derben Sprüche und frivolen Witze zünden. Von da an geht alles ganz schnell und für Rudy steil bergauf. Die Figur des Dolemite gewinnt rasch an Bekanntheit und es folgen weitere Auftritte, sogar Schallplatten und der Duft des großen Geldes schwebt in der Luft. Ganz klar, ein eigener Dolemite-Film darf da natürlich nicht fehlen. Doch, wie dreht man einen Film, ohne auch nur die leiseste Ahnung davon zu haben, wie ein Film eigentlich gedreht wird?

Das ist die Prämisse des Films DOLEMITE IS MY NAME. Und, wie auch schon in dem zuletzt auf diesem Blog besprochenen Film HIDDEN FIGURES, beruht die Handlung von DOLEMITE IS MY NAME auf wahren Begebenheiten. Doch nicht nur das, denn wie auch in HIDDEN FIGURES geht es in diesem Film um einen ‘Underdog’, der versucht sich gegen andere durchzusetzen und etwas zu erreichen. Zwar hat das, was Rudy tut, rein gar nichts mit Raketenwissenschaft zu tun, aber auch für ihn geht es darum wahrgenommen zu werden und für das, was er tut, geschätzt zu werden.

Und so erzählt DOLEMITE IS MY NAME die Geschichte des Rudy Ray Moore und wie dieser es nach Jahren der Erfolglosigkeit geschafft hat, dank der Kunstfigur Dolemite zu einer Ikone zu werden. Wobei ich an dieser Stelle gestehen muss, dass ich vor dem Erscheinen des Films noch nie etwas von dem sogenannten “Godfather of Rap” gehört hatte. Dies mag mitunter auch daran liegen, dass ich mich bislang weder mit der Historie des Rap, noch mit dem ‘Blaxploitation’-Genre ‒ das Genre, in dem die DOLEMITE-Filme anzusiedeln sind ‒ auseinandergesetzt habe. Doch so wie mir dürfte es wohl einem Großteil des Weißen Publikums gehen, denn Rudy Ray Moore galt bislang eher als Ikone für das Schwarze Publikum.

Aber das hat sich – zumindest bei mir – durch den Film etwas geändert. Auch wenn ich mit den infantilen Sprüchen und dem stets unter die Gürtellinie zielenden Humor wenig anfangen kann und ich mir daher keine seiner Stand-up-Comedy-Platten anhören würde, so wurde mein Interesse zumindest für das filmische Schaffen dieses Mannes geweckt. Weniger aufgrund der Inhalte und behandelten Themen, schließlich handelt es sich bei den Dolemite-Filmen eher um stumpfe B-Movies mit Action und Gewalt. Vielmehr ist mein Interesse geweckt worden, weil Rudy Ray Moore und seine Freund*innen und Kolleg*innen mit viel Enthusiasmus und der Liebe zu der Sache am Werk waren.

Enthusiasmus ist auch das richtige Stichwort, denn DOLEMITE IS MY NAME schafft es perfekt diesen Enthusiasmus über die kleine, heimische, flimmernde Leinwand auf das Publikum zu übertragen. So freut man sich einfach für die Figuren, wenn ihnen etwas gelingt und sie wieder einen Stein aus dem Weg geräumt haben, aber gleichzeitig sind ihr Ehrgeiz und ihre Energie ansteckend. Der Film ist fast schon euphorisierend und er schafft es, die eigentlich klischeehafte Botschaft “Träume nicht dein Leben, lebe deine Träume” so zu vermitteln, dass sie nicht abgedroschen klingt, sondern dazu anspornt und motiviert, selbst aktiv und kreativ zu werden.

Mit verantwortlich dafür ist Eddie Murphy, der hinter der Kamera als Produzent an dem Film mitgewirkt hat und vor der Kamera grandios als Rudy Ray Moore a.k.a. Dolemite aufspielt. Doch auch die Nebendarsteller*innen haben wirklich gute Arbeit geleistet. Gerade das nähere Umfeld von Rudy besteht ausschließlich aus sympathischen Figuren, die glücklicherweise nicht (zu) eindimensional gezeichnet worden und dadurch zu keiner Zeit austauschbar oder egal erscheinen. Allen voran ist die Power-Frau Lady Reed, wunderbar verkörpert von Da’Vine Joy Randolph, hervorzuheben.

Offenbar waren damals nicht nur Rudy und seine Begleiter*innen mit Spaß am Werke, sondern auch alle Beteiligten dieses Films hatten scheinbar viel Freude daran, an DOLEMITE IS MY NAME mitzuwirken. Das macht den Film zwar vielleicht nicht zu einem perfekten, aber doch zu einem sehr unterhaltsamen und guten Feel-Good-Film, der das Herz am rechten Fleck hat und dessen Message lautet:

Um Großes zu erreichen, brauchst du nicht viel mehr als genügend Selbstvertrauen, einen starken Willen und die richtigen Personen um dich herum. Natürlich, etwas Geld und ein wenig Glück gehören auch dazu. Aber das lässt sich schon irgendwie auftreiben.

Sein Name war Dolemite. Und diesen Film anzuschauen, ist ein guter Zeitvertreib.

OT: DOLEMITE IS MY NAME

Start: bereits erschienen (NETFLIX)

Land & Jahr: USA, 2019

Regie: Craig Brewer

Darsteller: Eddie Murphy, Da’Vine Joy Randolph, Craig Robinson, Keegan-Michael Key, Mike Epps u.a.

Laufzeit: ca. 118 min

Freigabe: Altersempfehlung ab 16 Jahren

Geschnitten: Nein

Bildquelle: https://www.imdb.com/title/tt8526872/mediaviewer/rm3345125377


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