EMA – SIE SPIELT MIT DEM FEUER

Brandgefahr.

Eigentlich ist EMA – dessen deutscher Verleihtitel den Zusatz SIE SPIELT MIT DEM FEUER spendiert bekam – bereits Ende letzten Jahres in den deutschen Kinos gelaufen und inzwischen ist er auch auf DVD und BluRay erschienen. Ich habe mir den Film nun jedoch noch einmal auf der großen Leinwand im Open Air Kino in Göttingen ansehen können. Ein Freund kam mit diesem Filmvorschlag auf mich zu. Im Vorfeld hatte ich mir keine Inhaltsangaben zu dem Film durchgelesen, keine Trailer angeschaut und somit wusste ich wenig bis nichts über EMA – SIE SPIELT MIT DEM FEUER. Ich hatte keine Ahnung, worum es gehen und worauf ich mich einlassen würde. So wurde ich buchstäblich von dem Gezeigten überwältigt

Falls ihr euch ebenfalls von EMA – SIE SPIELT MIT DEM FEUER überraschen lassen wollt, dann solltet ihr diese und andere Reviews zu dem Film erst lesen, nachdem ihr ihn selbst gesehen habt.

Bildquelle: EMA – SIE SPIELT MIT DEM FEUER / © Koch Films

Am Anfang war das Feuer.

Ema (Mariana Di Girolamo) ist eine leidenschaftliche Tänzerin. Sie gibt Kindern Tanzunterricht und tanzt selbst in einer Tanzgruppe, bei der auch ihr Mann Gastón (Gael García Bernal) als Choreograph mitwirkt. Doch Ema und Gastón sind alles andere als glücklich in ihrer Beziehung. Sie mussten ihren Adoptivsohn wieder abgeben und liefern sich nun einen Wettstreit darin, wer an alledem die meiste Schuld trägt.

In Ema brennt ein Feuer. Um von diesem Feuer nicht verschlungen zu werden, lenkt sie es um, lässt es heraus und setzt alles um sich herum in Brand. Ema wendet sich immer mehr dem Reggaeton zu. Diese Musik und dieser Tanz sind für sie der Ausdruck von Freiheit und Freizügigkeit. Es ist für sie wie ein Orgasmus.

Worum es in EMA – SIE SPIELT MIT DEM FEUER genau geht, ist schwer zu beschreiben, ohne dabei zu viel von der Story zu verraten. Der Film offenbart für sehr lange Zeit nicht, worauf es eigentlich hinauslaufen soll. Es werden kaum Erklärungen dafür geliefert, warum Ema tut, was sie tut. Es werden nur verschiedene Hinweise darauf gegeben, dass in ihrer Vergangenheit Dinge geschehen sind, die besser nicht hätten geschehen sollen, die aber auch nicht mehr ungeschehen gemacht werden können.

Emas Leben ist das reinste Chaos. Personen in ihrem Umfeld zieht sie in dieses Chaos mit hinein. Sie steckt alles um sich herum wort- und sprichwörtlich in Brand. Und genauso, wie Ema andere Protagonist:innen in ihr Chaos mit hineinzieht, wird auch das Publikum vom Film in dieses Chaos mit hineingezogen – vorausgesetzt, man kann sich auf die Art des Erzählens einlassen. Denn Ema ist alles andere als leicht zugänglich – das trifft sowohl auf die Protagonistin selbst, als auch auf den gleichnamigen Film zu. Nicht alle werden damit etwas anfangen können.

Bildquelle: EMA – SIE SPIELT MIT DEM FEUER / © Koch Films

Eine cineastisch beeindruckende Herausforderung.

Die Charakterzeichnung ist vielschichtig. So vielschichtig, dass es manchmal schwer fällt, zu Ema durchzudringen und sie zu verstehen. Sie ist emotional sehr sprunghaft. Im einen Moment ist sie optimistisch, alles scheint sich zum Guten zu wenden und sie offenbart ihrem Mann ihre Liebe. Im nächsten Moment stößt sie ihn von sich weg, gibt ihm die Schuld an allem, was schiefgelaufen ist, nur um ihn kurz darauf wieder an sich heranzuziehen. Die beiden liefern sich heftige Wortgefechte. Es ist ein ewiges Push and Pull. Ihr Beziehung ist toxisch, sie tun sich nicht gut. Aber sie können auch nicht ohneeinander.

Wo es vielleicht an Nachvollziehbarkeit mangelt, machen die Darsteller:innen dieses Defizit wieder wett. Mit ihren Blicken und ihrer Körpersprache gelingt es ihnen stets, die diffuse Gefühlswelt ihrer Protagonist:innen zu transportieren. Allen voran Mariana Di Girolamo in der Rolle der Ema ist eine Wucht.

Was an EMA – SIE SPIELT MIT DEM FEUER ebenfalls beeindruckt, ist die Bildsprache. Jedes Bild wirkt wohl durchdacht. Manchmal sehr direkt, manchmal ganz abstrakt, aber stets gemacht, um Emotionen zu transportieren oder auszulösen. Gepaart mit dem sehr passenden und teils wunderschönen Soundtrack, stellt sich ein audio-visuelles Erlebnis ein, welches eine fast schon hypnotische Wirkung erzeugt und in seinen Bann zieht.

So ist EMA – SIE SPIELT MIT DEM FEUER ein Film, der vielleicht nicht gleich beim ersten Schauen in voller Gänze erschlossen wird. Er steckt voller Metaphern, die nicht immer gleich zu erkennen oder zu entschlüsseln sind. Doch wenn man sich auf dieses Chaos einlässt, dann entfaltet der Film einen unheimlichen Sog und wirkt bis hin zur völligen Ekstase.

Ein Film, der sich ins Gedächtnis einbrennt.

OT: EMA
VÖ: Bereits erhältlich
Land & Jahr: CHL, 2019
Regie: Pablo Larraín
Darsteller:innen: Mariana Di Girolamo, Gael García Bernal, Paola Giannini, Santiago Cabrera u.a.
Vertrieb: Koch Films
Laufzeit: ca. 102 min
Freigabe: FSK 16




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