MONTHLY SHORTS No. 8

Neben den regulären Filmbesprechungen, welche hier auf wordspersecond. erscheinen, veröffentliche ich zusätzlich auf Letterboxd und Moviepilot zumeist etwas kürzere Reviews. Die seither in diesem Monat erschienenen Kurzreviews werden nachträglich noch einmal gebündelt und unter der Rubrik monthly shorts. auf diesem Blog veröffentlicht werden.


Bildquelle: Netflix

DIE MITCHELLS GEGEN DIE MASCHINEN

OT: THE MITCHELLS VS. THE MACHINES | Land & Jahr: USA, 2021 | Regie: Mike Rianda | Darsteller:innen: Abbi Jacobson, Mike Rianda u.a. | Freigabe: ab 6 Jahren | Laufzeit: ca. 122 min

Visuell abgedreht und originell getrickster Animationsfilm, der nicht nur beste Unterhaltung für die ganze Familie bietet, sondern auch gleich noch etwas (wenn auch recht oberflächliche) Gesellschaftskritik mitliefert. DIE MITCHELLS GEGEN DIE MASCHINEN braucht sich gar nicht vor Genre-Vertretern, wie etwa aus dem Hause Pixar verstecken. Gegenüber einem LUCA ist er sogar noch ein Stückchen progressiver, was die Darstellung der sexuellen Orientierung der Hauptfigur angeht. Denn während LUCA vorab zwar als eine Art CALL ME BY YOUR NAME-Variante für Kinder gehandelt wurde, die dargestellte Beziehung letzten Endes aber auch einfach als wunderschöne Kinderfreundschaft gelesen werden kann, ist in DIE MITCHELLS GEGEN DIE MASCHINEN die Tochter Katie ein ganz klar erkennbarer LGBT-Charakter. Besonders erfrischend hierbei: Katies sexuelle Orientierung muss nicht für einen Familienkonflikt herhalten. Stattdessen interessiert sie sich einfach für eine andere Studentin. Punkt. Und das wird von niemanden in Frage gestellt – so wie es im Prinzip ja auch sein sollte.

BEWERTUNG
Letterboxd: 4,5 von 5
Moviepilot: 9 von 10 (Herausragend)


Bildquelle: Netflix

ANGRIFF DER HOLLYWOOD-KLISCHEES!

OT: ATTACK OF THE HOLLYWOOD CLICHÉS! | Land & Jahr: USA, 2021 | Regie: Sean Doherty, Ricky Kelehar, Alice Mathias | Darsteller:innen: Rob Lowe u.a. | Freigabe: ab 16 Jahren | Laufzeit: ca. 58 min

Das Netflix-„Comedy“-Special ANGRIFF DER HOLLYWOOD-KLISCHEES ist ein unlustiges, wirres Sammelsurium an gängigen Hollywood-Klisches. Zwar ist die Show mit ihren knapp 58 Minuten recht kurzweilig geraten und Rob Lowe als Host hat mir ebenfalls sehr zugesagt. Allerdings will keiner der Gags so richtig zünden und die kurze Laufzeit reicht nicht aus, um auf die verhältnismäßig zahlreichen Hollywood-Klischees gebührend einzugehen.

Hier wäre das Serienformat vermutlich geeigneter gewesen. Man hätte, ähnlich zur Netflix-Show DIE GESCHICHTE DER SCHIMPFWÖRTER (OT: HISTORY OF SWEAR WORDS) mit Nicolas Cage, pro Folge ein Hollywood-Klische in knapp 20 Minuten beleuchten können. Das wäre völlig ausreichend gewesen. Dann noch den Humor etwas aufpoliert und herausgekommen wäre eine unterhaltsame Show, die gleichzeitig auch noch einen gewissen Mehrwert geboten hätte. So dürfte ANGRIFF DER HOLLYWOOD-KLISCHEES aber maximal für diejenigen einigermaßen interessant sein, die sich bisher noch nicht sonderlich mit der Materie auseinandergesetzt haben.

BEWERTUNG
Letterboxd: 2 von 5
Moviepilot: 4,5 von 10 (Uninteressant)


Bildquelle: Netflix

ARMY OF THIEVES

OT: ARMY OF THIEVES | Land & Jahr: USA, GER 2021 | Regie: Matthias Schweighöfer | Darsteller:innen: Matthias Schweighöfer, Nathalie Emmanuel u.a. | Freigabe: ab 12 Jahren | Laufzeit: ca. 129 min

Nachdem bereits im Mai diesen Jahres Zack Snyders ARMY OF THE DEAD auf Netflix veröffentlicht wurde, ist nun Ende Oktober das dazugehörige Prequel-Schrägstrich-Spin-Off ARMY OF THIEVES von und mit Matthias Schweighöfer erschienen.

Die Handlung des Films dreht sich um den von Schweighöfer selbst gespielten und bereits aus ARMY OF THE DEAD bekannten Safe-Knacker Ludwig Dieter. Nur heißt Ludwig Dieter hier zu Beginn noch gar nicht Ludwig Dieter und er ist eigentlich auch kein Safe-Knacker. Ludwig Dieters richtiger Name lautet nämlich Sebastian Schlencht-Wöhnert und dieser ist ein hauptberuflich gelangweilter Bankangestellter, der in seiner Freizeit ungeklickte Nerdtalk-YouTube-Video zu seinem Lieblingsthema „Safes“ veröffentlicht.

Auf sein neuestes Video erhält er jedoch einen rätselhaften Kommentar. Eine Einladung zu einem Event, bei dem er seine Safe-Knacker-Skills unter Beweis stellen soll. Und als er zeigt was er kann, findet er sich kurz darauf in einer Bankräuber:innen-Bande wieder, für die er drei der vier berühmtesten Safes der Welt knacken soll.

Nachdem Matthias Schweighöfer vor allen Dingen 08/15-Komödien gedreht hat, hat er nun mit ARMY OF THIEVES eine etwas hüftsteife, leidlich spannende und nur selten wirklich witzige Heist-RomCom abgeliefert. Sein Sebastian Schlencht-Wöhnert a.k.a. Ludwig Dieter ist zwar ziemlich querky, ansonsten aber ähnlich eindimensional wie seine Team-Kolleg:innen.

Ab der Hälfte wird der Film zwar besser (besser als ARMY OF THE DEAD ist er allemal) und speziell die Verfolgungsszene mit dem Fahrrad ist ganz neckisch. Aber abgesehen davon ist ARMY OF THIEVES leider ein maximal mittelmäßiger Heist-Film, dem es an originellen Einfällen mangelt.

BEWERTUNG
Letterboxd: 2,5 von 5
Moviepilot: 5,5 von 10 (Geht so)


Bildquelle: LEONINE

THE RAVEN – PROPHET DES TEUFELS

OT: THE RAVEN | Land & Jahr: USA, 2012 | Regie: James McTeigue | Darsteller:innen: John Cusack, Luke Evans u.a. | Freigabe: FSK 16 | Laufzeit: ca. 111 min

THE RAVEN ist ein atmosphärischer und poetischer Thriller, in welchem der berühmte Schriftsteller Edgar Allan Poe selbst zum Ermittler werden muss, um einen Mörder dingfest zu machen, der sich für seine Morde Poes literarische Werke zum Vorbild nimmt, und obendrein dessen Geliebte entführt und gefangen hält. Leider ist damit die einzig relevante Frauenfigur in diesem Film nicht viel mehr als die „Damsel in Distress“, sprich das „Fräulein in Nöten“, was definitiv kritisch anzumerken ist.

Abgesehen davon erzählt THE RAVEN aber eine bis zum Ende hin spannend bleibende Kriminalgeschichte, die von ihrer cineastischen Aufmachung her an Genrevertreter, wie bspw. FROM HELL (2001) oder den etwas später erschienen THE LIMEHOUSE GOLEM (2016), erinnert.

BEWERTUNG
Letterboxd: 3,5 von 5
Moviepilot: 7 von 10 (Sehenswert)


Bildquelle: Warner Bros. Entertainment Inc.

SHINING

OT: THE SHINING | Land & Jahr: USA, UK, 1980 | Regie: Stanley Kubrick | Darsteller:innen: Jack Nicholson, Shelley Duvall u.a. | Freigabe: FSK 16 | Laufzeit: ca. 119 min

Stanley Kubricks SHINING ist eine der wohl bekanntesten Verfilmungen von einem der wohl bekanntesten Grusel-Romane von Stephen King, einem der wohl bekanntesten Horrorautoren der Gegenwart.

Die große Stärke des Films ist ohne Frage seine Visualität. Die Kameraarbeit, das Set-Design, die Montage – alles ist perfekt abgestimmt. Man kann sich gar nicht sattsehen an den schönen Bildern und den eleganten Kamerafahrten. Kubrick ist es wahrhaft meisterlich gelungen, auf visueller Ebene eine dichte Atmosphäre zu kreieren.

Leider will auf akustischer Ebene der Score stets zu viel. Durch seine Penetranz ist er nicht nervenzerreißend, sondern viel eher nervenraubend. Es spricht schon Bände, wenn der spannendste Moment jener ist, in dem der mittlerweile verrückt gewordene Jack Torrance (Jack Nicholson) mit einer Axt bewaffnet durch die langen Gänge des fast völlig ausgestorbenen Overlook Hotels jagt und ausnahmsweise mal keine Musik zu hören ist.

Das Schauspiel ist zudem ebenfalls zum Großteil von Overacting geprägt. So verkörpert Jack Nicholson die wahnsinnige Seite seines Charakters zwar mit Bravour, jedoch wirkt sein Charakter selbst dann wie ein Irrer, wenn er eigentlich bei klarem Verstand ist. Und Shelley Duvall in der Rolle der Mutter gibt sich zwar alle Mühe, kann aber trotz (oder gerade wegen) all der Tränen und des angsterfüllten Schreiens nicht gegen die Stereotype ihrer Figur ankommen.

Zu guter Letzt deutet der Film einiges nur vage an und lässt somit viel Raum für Interpretationen, weshalb am Ende einige Fragen offen bleiben.

Und dennoch, trotz all dieser Kritikpunkte, trotz all des Staubs, der sich mittlerweile im Overlook Hotel angesammelt hat, ist SHINING nach wie vor sehens- und empfehlenswert und nicht umsonst ein Klassiker.

BEWERTUNG
Letterboxd: 3,5 von 5
Moviepilot: 7 von 10 (Sehenswert)


Bildquelle: Warner Bros. Entertainment Inc.

DOCTOR SLEEPS ERWACHEN

OT: DOCTOR SLEEP | Land & Jahr: USA, 2019 | Regie: Mike Flanagan | Darsteller:innen: Ewan McGregor, Rebecca Ferguson u.a. | Freigabe: FSK 16 | Laufzeit: ca. 152 min

Mike Flanagan hat mit DOCTOR SLEEPS ERWACHEN nicht nur eine gelungene Verfilmung des Stephen King-Romans DOCTOR SLEEP (2013), sondern gleichzeitig auch ein würdiges Sequel zu Stanley Kubricks THE SHINING (1980) abgeliefert. Ebenso wie Kubrick setzte auch Flanagan vor allen Dingen auf Atmosphäre, was sich besonders in der visuellen Gestaltung widerspiegelt. So wird die Art und Weise, wie die Kamera die Bilder einfängt, stellenweise fast schon adaptiert. Wir bekommen wieder lange Kamerafahrten und ruhige Einstellungen, die uns in das Geschehen hineinziehen. Doch darüber hinaus wurde hier auch vieles besser gemacht, als noch im ersten Teil.

Der Score der Newton Brothers ist angenehm zurückhaltend und versucht nicht krampfhaft dort Spannung zu erzeugen, wo eigentlich gar keine ist. Auch ist das Schauspiel hier viel subtiler und die Figurenzeichnung wesentlich vielschichtiger.

Positiv fällt ebenfalls auf, dass Figuren aus dem ersten Teil nicht durch digitale Ebenbilder zum filmischen Leben wiedererweckt wurden, wie es bei einigen anderen großen Filmen heutzutage fast schon üblich ist, sondern dass diese Rollen durch gut gecastete Darsteller:innen verkörpert werden.

Beanstanden könnte man, dass sich der Film mit einer Lauflänge von knapp zweieinhalb Stunden etwas zu viel Zeit nimmt. Auch muss hier viel Exposition geliefert werden, was zum einen daran liegt, dass zwischen Stanley Kubricks THE SHINING und Mike Flanagans DOCTOR SLEEPS ERWACHEN fast 40 Jahre liegen und die Story somit noch einmal für eine neue Generation an Kinogänger:innen neu aufgerollt werden musste. Zum anderen hatte Kubrick in seinem Kultfilm aber ohnehin viele Fragen offen gelassen, die nun geklärt werden müssen, um eine wirklich schlüssige Geschichte erzählen zu können. Und im Anbetracht dieser Umstände hat Flanagan mit seinem Film (fast) alles richtig gemacht.

BEWERTUNG
Letterboxd: 4 von 5
Moviepilot: 8 von 10 (Ausgezeichnet)


Bildquelle: Studiocanal

NUR EIN KLEINER GEFALLEN

OT: A SIMPLE FAVOR | Land & Jahr: USA, 2018 | Regie: Paul Feig | Darsteller:innen: Anna Kendrick, Blake Lively u.a. | Freigabe: FSK 16 | Laufzeit: ca. 152 min

Paul Feigs Romanverfilmung NUR EIN KLEINER GEFALLEN ist ein spannender und mit vielen, vielen Wendungen versehener Thriller, der mit Anna Kendrick und Blake Lively in den Hauptrollen kompetent besetzt und größtenteils solide inszeniert wurde.

Allerdings fühlt sich NUR EIN KLEINER GEFALLEN auch ein wenig so an, als würde er aus drei, von der Tonalität her unterschiedlichen Filmen bestehen. So beginnt das Ganze als Vorstadt-Drama, entwickelt sich dann zu einer Detektivgeschichte mit Thriller-Anleihen und mündet schließlich in einer schwarzen Komödie.

Gegen Ende übertreibt es der Film auch ein wenig mit den Twists, welche immer absurdere Züge annehmen. Glücklicherweise aber schrammt der Film noch daran vorbei, zu einer Parodie zu verkommen. Doch auch wenn das letzte Drittel des Films vor allem gegenüber dem wirklich starken Mittelteil etwas abfällt und die aufgebauten Erwartungen nicht ganz erfüllt werden, so ist NUR EIN KLEINER GEFALLEN dennoch ein durchweg unterhaltsamer und kurzweiliger Film.

BEWERTUNG
Letterboxd: 3,5 von 5
Moviepilot: 7 von 10 (Sehenswert)


Bildquelle: Netflix

THE HARDER THEY FALL

OT: THE HARDER THEY FALL | Land & Jahr: USA, 2021 | Regie: Jeymes Samuel | Darsteller:innen: Jonathan Majors, Idris Elba u.a. | Freigabe: ab 16 Jahren | Laufzeit: ca. 139 min

Sylischer, zuweilen ziemlich brutaler Black Western, der sich aufgrund seiner durchweg coolen Inszenierung und comichaft überzeichneten Gewaltspitzen Vergleiche mit Quentin Tarantinos DJANGO UNCHAINED gefallen lassen, sich davor aber keinesfalls scheuen muss.

Zwar ist die Inszenierung manchmal etwas Offbeat, die eigentlich recht simple Rachegeschichte wird stellenweise künstlich in die Länge gezogen und gerade im Mittelteil fehlt es etwas an Flow. Aber das wissen die zahlreichen kreativen Einfälle und die visuellen Schauwerte, der durchweg gut besetzte Maincast sowie der grandiose Soundtrack durchaus zu kaschieren. Außerdem gehört es bei einem Western doch gefühlt zum guten Ton, wenn möglichst wenig Story auf eine möglichst epische Laufzeit gestreckt wird.

Im Großen und Ganzen hat Musiker und Filmemacher Jeymes Samuel mit THE HARDER THEY FALL ein wirklich sehenswertes Langfilmdebüt abgeliefert, bei dem er am Ende aber die Tür für ein mögliches Sequel ganz bewusst „wide, wide, wide open“ gelassen hat. Es scheint sogar schon Ideen für ein ganzes CCU, also ein Cowboy Cinematic Universe, zu geben. Es bleibt also spannend zu sehen, was da noch kommen wird.

BEWERTUNG
Letterboxd: 4 von 5
Moviepilot: 8 von 10 (Ausgezeichnet)



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s