REVIEW-SPECIAL: SCREAM

SCREAM 2 (1997)

Was SCREAM außerdem hervorgebracht hatte, war nicht nur eine Flut an gleichförmigen Teenie-Horrorfilmen, sondern auch eine Reihe an Sequels. Und das erste Sequel, SCREAM 2, erschien bereits nicht einmal ein ganzes Jahr nach dem ersten Teil in den Kinos, wenngleich laut Skript schon fast zwei Jahre seit den Morden in Woodsboro vergangen sind. Sidney Prescott ist inzwischen aus ihrem Heimatort weggezogen, um an einem College zu studieren und ein unter den gegebenen Umständen ansatzweise normales Leben zu führen. Denn die nach Aufmerksamkeit heischende Journalistin und Autorin Gale Weathers (Courtney Cox) hat über die damaligen Geschehnisse ein Buch veröffentlicht. Und wäre das nicht schon genug, soll sogar noch ein stupider Horrorfilm mit dem Titel „Stab“ in den Kinos erscheinen, welcher auf den Schilderungen des besagten Buches basiert. Ein „normales Leben“ zu führen ist für Sidney also eher relativ. Als zur Vorpremiere von „Stab“ jedoch jemand getötet wurde und eine Verbindung zu den vergangenen Morden offensichtlich erscheint, läuten bei Sidney alle Alarmglocken. Passiert es wirklich schon wieder? Hat man es wieder auf sie abgesehen? Und vor allen Dingen: Wem kann sie trauen und wem nicht?

Schon alleine durch die Inhaltsangabe sollte deutlich werden, dass SCREAM 2 genau das macht, was ein Sequel üblicherweise so macht – der Streifen führt das zugrundeliegende Konzept des ersten Teils fort, bietet dabei mehr von allem und treibt das Ganze auf die Spitze. Der logische Umkehrschluss ist aber auch, dass der zweite Teil nicht mehr ganz so originell daherkommt, wie noch sein Vorgänger. Aber auch das wird im Film thematisiert, beziehen sich die enthaltenen Metakommentare nämlich nicht mehr nur noch auf Horrorfilme, sondern dieses Mal ganz gezielt auf Sequels.

Bild: SCREAM 2 Sidney Prescott (Neve Campbell, l.), Gale Weathers (Courtney Cox, r.) / © Kinowelt

Insgesamt ist SCREAM 2 eine immer noch recht clevere Fortsetzung, die die DNA des Slasher-Genres kritisch beleuchtet und damit auch sich selbst kritisch hinterfragt. Stichwort: Überlebenschancen von (Black) People of Color in Horrorfilmen. Immer wieder werden dahingehend gesellschaftskritische Kommentare eingestreut, die gerade zu Beginn des Films recht bissig und witzig sind. Nur leider wird dieser Ansatz im weiteren Verlauf ein wenig aus den Augen verloren, wobei SCREAM 2 sogar fast Gefahr läuft, selbst zu einem Negativbeispiel zu werden. Wohlwollend kann man das vielleicht noch als ungelenk geschriebene Satire betrachten. Böse Zungen würden aber behaupten, dass sich der Film an dieser Stelle intelligenter gibt, als er eigentlich ist.

Abgesehen davon ist es aber erstaunlich, wie konsistent der Film geworden ist, gerade im Hinblick auf seine schwierigen Produktionsbedingungen. So wurde das Skript vorab geleaked und noch während des Drehs musste Autor Kevin Williamson das Drehbuch massiv umschreiben. Dieser Umstand ist SCREAM 2 aber zu kaum einem Zeitpunkt anzumerken – außer vielleicht dann, wenn es um das Tatmotiv geht. Aber wer den ersten Teil gesehen hat, weiß bereits, dass sich die Filme offenbar nicht großartig darum scheren, welches Motiv hinter den Morden steckt.

Wo allerdings das zerstückelte Drehbuch kaum wahrzunehmen ist, wird man auf der anderen Seite das Gefühl nicht los, dass sich wiederum die recht flotte Produktion etwas auf die Qualität des Endergebnisses ausgewirkt hat. So wirkt SCREAM 2 stellenweise etwas wie ein Schnellschuss. Das soll nicht heißen, dass der Film in irgendeiner Weise furchtbar aussieht. Aber es wirkt alles schon ein klein wenig „billiger“ als noch in Teil eins. Vielleicht ist es aber auch der sogenannte 90er-Jahre Charme, der hier noch einmal mehr durchscheint. Oder es ist gar ein gewolltes Stilmittel, werden Sequels von Horrorfilmen doch allgemein gerne mal etwas billiger produziert. Möchte man ein Auge zudrücken, dann kann man es gerne als weitere Meta-Anspielung auffassen.

Nichtsdestotrotz ist SCREAM 2 eine immer noch sehr gelungene Fortsetzung, die Genrefans genau das gibt, was sie sehen wollen und dabei bestens zu unterhalten weiß.


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