REVIEW-SPECIAL: SCREAM

SCREAM (2022)

Nachdem uns mit dem unterbewerteten Sequel SCREAM 4 ein mordsmäßiges Revival beschert wurde, seitdem aber erneut knapp elf Jahre vergangen sind, ist es nun wieder so weit: 2022 kehrt Ghostface zum inzwischen fünften Mal auf die große Leinwand zurück. Dieses Mal scheint es der Killer oder die Killerin auf Tara (Jenna Ortega) und ihre High School-Clique sowie auf Taras ältere Schwester Sam (Melissa Barrera) abgesehen zu haben. Obwohl das Grundprinzip der SCREAM-Reihe inzwischen weitestgehend vertraut sein dürfte und auch SCREAM (2022) hier lediglich more of the same zu bieten hat, möchte ich dennoch nicht viel mehr über die Handlung verraten, um nicht den ganzen Spaß vorwegzunehmen.

Die wenigen Neuerungen, die es in diesem Film gibt, können vermutlich an einer Hand abgezählt werden. Und eine der wesentlichsten Neuerungen ist auch gleich die offensichtlichste. Damit gemeint ist der Cast, der aus größtenteils neuen Gesichtern besteht. Sidney, Dewey und Gale sind zwar auch mit von der Partie und sie werden natürlich wieder von Neve Campbell, David Arquette und Courtney Cox gespielt, jedoch befinden sie sich nicht mehr im Zentrum des Geschehens. Viel eher stehen sie der neuen Generation mit Rat und Tat zur Seite.

Doch diese Neuerung ist eher kosmetischer Natur, denn trotz neuer Hauptfiguren wird die Film-Reihe mit SCREAM (2022) nicht neu erfunden. Im Gegenteil. Das alte Rezept wird lediglich um ein paar neue Zutaten ergänzt und noch einmal frisch aufgewärmt serviert.

Leider muss man sagen, sind die neuen Figuren mitunter recht eindimensional. Zwar liefern die Jungdarsteller:innen alle eine immerhin solide Leistung ab, doch ihre Charaktere bleiben, gerade im Vergleich zu den Originalfiguren aus SCREAM (1996), ziemlich blass. Und selbst diese Originalfiguren – oder zumindest die, die noch übrig sind – werden hier zwar augenzwinkernd als „Legacy-Figuren“ vorgestellt, sind am Ende aber nicht viel mehr als ausgelaugt und etwas müde wirkende Stichwortgeber.

Hinzu kommt, dass man auch in diesem Teil wieder recht früh erahnen kann, wer dieses Mal hinter der Maske steckt, was aber zugegeben auch schon in den vorherigen Teilen immer ein Problem war.

Bild: SCREAM (2022) Tara (Jenna Ortega) / © Paramount Pictures

Und nun? Ist das Sequel oder Reboot – bzw. „Requel“, wie es im Film heißt – nun ein Totalausfall? Meine Antwort darauf lautet: Nein. Denn obwohl der Film mit einigen Problemen zu kämpfen sowie kaum etwas Neues zu sagen hat, so kann man immer noch Spaß mit dem fünften Teil der SCREAM-Reihe haben. Er ist oft witzig, stellenweise unheimlich und natürlich ist auch das Drehbuch von SCREAM (2022) wieder bis zur letzten Zeile voll mit Metakommentaren. Dieses Mal zielen diese vor allen Dingen in Richtung Fan-Kultur und Fan-Communities. Ganz besonders toxische Fan-Communities bekommen hier ihr Fett weg, weshalb mir der Film an dieser Stelle sehr aus der Seele gesprochen hat.

Darüber hinaus ist SCREAM (2022) aber auch ziemlich brutal. Und wie brutal dieser Film ist ist. Es dürfte der wohl blutigste Teil der Reihe sein und es ist ein wenig verwunderlich, dass er von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten hat. Aber wenn man so will, kann auch der höhere Grad an expliziter Gewalt als Metakommentar gelesen werden. Nicht nur, weil „mehr Gewalt“ offenbar die einzige kreative Idee hinter so manchen Neuauflagen zu sein scheint, worauf SCREAM (2022) auf eine ironische Art und Weise Bezug nimmt. Sondern auch, weil der Ton in manchen Fan-Communities immer rauer geworden ist. Teilweise wurden aus eben diesen Communities heraus Todes- und Morddrohungen an Filmschaffende geschickt. Die Brutalität in SCREAM (2022) erscheint da wie ein zynischer Blick auf diese vermeintlich zunehmende Gewaltbereitschaft.

Insgesamt ist SCREAM Nummer Fünf nicht frei von Fehlern und Problemen und ob es sich nun lohnt, das mehr oder minder Immergleiche zum nun inzwischen fünften Mal zu sehen, muss wohl jede:r für sich selbst entscheiden. Aber andererseits hat der Film auch seine Stärken. Er weiß gut zu unterhalten und fängt zudem den Geist der bisherigen Teile hervorragend ein – und das, obwohl auf dem Regiestuhl sowie an der Schreibmaschine dieses Mal andere Verantwortliche Platz genommen haben. Regie führten die beiden Filmemacher Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett, die den 2015 verstorbenen Wes Craven ersetzen. Das Drehbuch wurde auch nicht von Stammautor Kevin Williamson beigesteuert, sondern stammt dieses Mal von den Drehbuchautoren James Vanderbilt und Guy Busick. Und diese vier haben einen sehr soliden Job gemacht. Sie haben offensichtlich viel Herzblut in den Film hineingesteckt und ehren das Andenken der Reihe, wenngleich eine echte Revolution jedoch ausbleibt.


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